Neuigkeiten

Samstag, 22.09.2018

Impulse - Wahrnehmungen - Verköstigungen. Ein interreligiöses Projekt: Naturschutz als Band der Religionen

Sa 22.09.2018 // 16 – 19 Uhr // Workshop // Kapuziner Klostergarten Münster

Freitag, 29.06.2018

Ethik des Lebendigen - Vom Umgang mit Nutztieren

Fr 29.06.2018 // 18 Uhr // bis So 01.07.2018 // ca 14 Uhr // Tagung // Kloster Stift zum Heiligengrabe // Heiligengrabe

Samstag, 03.03.2018

Impulse - Wahrnehmungen - Verköstigungen. Ein interdisziplinäres Projekt: Die Synergie aus Ökologie und Spiritualität

Sa 03.03.2018 // 16 - 19 Uhr // Workshop // Kapuziner Klostergarten Münster

Mittwoch, 06.12.2017

Die Würde der Tiere - Vortrag und Symposium

Mi 06.12.2017 // 9 - 17 Uhr // Vortrag im Rahmen des Symposiums „Kulturlandschaft im Wandel – biodivers oder artenarm?" // LVR-Freilichtmuseum Lindlar

Freitag, 15.09.2017

Was die Natur uns predigt - BeSINNungstage InNatura

Fr 15.09.2017 // 16:00 Uhr bis So 17.09.2017 // 14:00 Uhr // Schnupperwochenende im Haus Mariengrund // Münster

Samstag, 09.09.2017

Impulse - Wahrnehmungen - Verköstigungen. Ein ökumenisches Projekt: Für eine ökologische Reformation.

09.09.2017 // 16 - 18 Uhr // Workshop // Kapuzinerklostergarten Münster

Neuigkeiten Detail

Montag, 13.05.2013

„Gott des Lebens, weise uns den Weg zu Gerechtigkeit und Frieden.“

Predigt Bischöfin i. R. Wartenerg-Potter / Ökumenischer Gottesdienst beim DEKT in Hamburg 2013

Predigt zur Losung der 10. Vollversammlung des ÖRK in Busan, Korea
Samstag 4. Mai 2013 St. Petri, Hamburg

Liebe Geschwister!

Heute kann man mit einem großen Auge aus dem Weltall auf den Planeten Erde blicken. Und mit rasanter Geschwindigkeit auf eine einzelne Stadt, ein Haus zuzusteuern. Mit Google Earth.

So habe ich mir als Kind das Auge Gottes vorgestellt. Wenn wir noch einmal diese kindliche Perspektive einnehmen: Was ist es, das das Auge, besser die Augen Gottes sehen, wenn sie auf den blauen Planeten, dieses göttliche Lieblingsprojekt, blicken?

In diesen Tagen sehen sie die Ameisenstrassen froher ChristInnen in Hamburg, die aufgeregt durcheinanderlaufen. Wonach suchen sie? Nach Orientierung? Auswegen? Nach Menschen- und Gottes-Nähe?

Die Augen  Gottes sehen eine neugeschaffene Kirche, die  Nordkirche. Sie sehen ein kleines Stück Versöhnung zwischen Ost und West, das hier, Jahre nach Beendigung des Kalten Krieges, im vereinten Deutschland entstanden ist.
Gottes Augen sehen uns hier in der St. Petri Kirche: eine Pilgergemeinde mit einem Pilgerziel: Wir haben den Ökumenischen Rat, den Weltrat der Kirchen, im  Kopf und im Herzen. Und versuchen zu artikulieren, was er in einer Zeit der Krise wie heute in Busan sagen müsste.

Am Ende des Kirchentages tragen wir zusammen, was wir als „Zeitansage“ der Christenheit in Deutschland gehört haben Wir sammeln es ein für die Reisenden zum großen Fest der Weltchristenheit, zur 10. Vollversammlung des Weltkirchenrates.

Aber auch wir, die nicht nach Busan fahren, nehmen mit, was uns verbunden hält mit den Geschwistern der weltweiten Ökumene.
Wir sind auf dem  Weg der Gerechtigkeit unterwegs, den zu gehen uns die ökumenische Bewegung so nachdrücklich lehrt mit der Dekade zur Überwindung der Gewalt und dem Konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Wir begegnen Gott immer wieder neu, dessen Name Gerechtigkeit ist. Der/die uns als AgentInnen der göttlichen Gerechtigkeit in die Wüste der überentwickelten Welt schickt.
Frieden und Gerechtigkeit wird es nur geben, wenn  „Jeder Mund voll Korn ist“, also satt.
Die Bergpredigt zeigt uns den Weg der Gewaltlosigkeit. Wir können, sagt Jesus, einander im Frieden gerecht werden. Dazu hat Gott doch zu gerechten Menschen gemacht! Gott schenkt uns aus reiner Gnade jeden Tag alles, was wir brauchen, den Atem zum Leben, den Tag und die Nacht, das Brot und die Liebe.
Wir sollen für einander Hüter/ Hüterin  sein! Deshalb fragen wir gerade die Ökonomie, die sagt, der Eigennutz sei nützlich für die Ökonomie: Ist die Ökonomie heute denn noch nützlich für alle Menschen?

Wir wollen das Miteinander anders gestalten und suchen das „buon vivir“, das gute Leben für alle. Und wissen nach diesem Kirchentag noch einmal genauer, dass die Oikumene, die ganze bewohnte Erde, unsere gefährdete Heimat und doch unsere Zukunft ist.

So legen wir die Themen, die uns auf den Nägeln brennen, bereit für das Gepäck nach Korea: Den gerechten Frieden in einer ökonomisierten Welt mit ihren totalitären Ansprüchen; Das große Genug, die Selbstbescheidung, von der wir auf diesem Kirchentag so viel geredet haben.  Und hoffen, dass in Busan „ein Wort  gesagt wird, das die Welt nicht überhören kann.“(Bonhoeffer)

Zu Gott, der großen Hüterin des Lebens, sprechen wir das inständige Gebet: Gott des Lebens, weise uns den Weg zu Gerechtigkeit und Frieden.

Die Losung für Busan spricht für meine Ohren etwas neu aus. Eine neue Klarheit kündigt sich an. Gott des Lebens.
 
Bisher hat die Ökumenische Bewegung Gottes Weisung in erster Linie als Weg-Weisung für das gerechten Zusammenlebens der Menschen und der Kirchen verstanden.  Als Antwort auf die Frage: „Mensch, wo ist dein Bruder? Wo ist deine Schwester?

Heute steht eine neue Frage  vor uns: Wo ist dein Bruder, der aussterbende Pandabär und deine Schwestern, die Bienen? Wo sind  die vielfältigen, ausgerotteten Geschöpfe Gottes, die Tiere und Pflanzen? Wie steht es um das Meer und die Luft? 

Die Losung spricht vom Gott des Lebens. Denn heute geht es schlicht um das Leben selbst, um das physische, biologische Leben auf dem Planeten Erde. „Was den Bienen geschieht, geschieht auch den Menschen“ soll Einstein gesagt haben. Um die Vielfalt, die sich in Jahrmillionen entwickelt hat und die für uns Menschen unabdingbare Grundlage des Lebens ist.  Erst jetzt, wo die Gefährdung dieses Lebens schon mit Händen zu greifen ist, beginnen wir es ernst zu nehmen: Gott schaut nicht wie Google Earth distanziert und voyeuristisch auf uns herab. Gott selbst ist das Leben, das in allen Geschöpfen gegenwärtig ist, das Herz des Lebens selbst. Die Welt ist sakramental.
Gott spricht zu den Menschen auch durch die Geschöpfe, durch Wind, Blumen und Tiere. Auch wir können den Theophanien, den Erscheinungen Gottes begegnen, wenn wir Augen dafür haben.  Ja, Gott schreit uns an im Gebrüll gequälter Versuchstiere. Oder aus den Ställen der Massentierhaltung. Die Tiere haben ihr eigenes Lebensrecht verloren, um unseres Fleischverzehrs willen.  

Das Motto der Vollversammlung bringt uns zum Sprechen:
„Gott des Lebens: Spricht mit uns, damit wir das Wunder des Lebens endlich verstehen. Öffne uns die Augen. Die Erde ist selbst ein Lebewesen.
„Alle lebendigen Dinge auf der Erde, von den Walen bis zu den Viren und von den Eichen bis zu den Algen bilden eine einzige lebendige Einheit, die in der Lage ist, die Bedingungen für den Erhalt des Leben zu schaffen.“ (L.Boff )  Die Temperatur der Erde, der Salzgehalt des Meeres, die Zusammensetzung der Atmosphäre, das Konstanthalten der CO 2 Konzentration gemeinsam schaffen die Grundlage dafür, dass Leben auf dem Planeten Erde möglich ist. Die Erde verhält sich wie ein menschlicher Körper, der alle Arten von Mechanismen hat, seine Temperatur konstant zu erhalten.  Wäre der Planet Erde um ein Weniges näher an der Sonne, würde alles Leben verbrennen;  wären er ein Weniges weiter von ihr entfernt, würde alles Leben erfrieren. Nein, wir sind genau dort, wo Leben möglich ist. Jetzt aber steigt das Fieber der Erde - durch die Menschen- gemachte, falsche Überentwicklung.

Gott des Lebens, öffne uns die Augen für das Gleichgewicht, das alles im Lot hält, das wir im Begriff sind zu zerstören.

Die Einsicht wächst auch, dass der „homo sapiens“ sich selbstbezogen ins Zentrum der Dinge gestellt hat. Eine patriarchalische Theologie hat ihn zum Beherrscher der Natur erklärt. Wir verhalten uns wie  Despoten, die sich an ihre Herrschaft klammern, die verhindert, dass wir empathische Mitgeschöpfe werden.

Gott des Lebens, lehre uns,  Dich zu ehren in allen Deinen Geschöpfen.
EvolutionswissenschaftlerInnen denken ernsthaft darüber nach, ob der „homo sapiens“,  wie einst die Dionsaurier,  irgendwann verschwinden wird, weil er sich nicht lebensfördernd auf der Erde verhält, sondern ihre herrliche Vielfalt zerstört. Die Erde wird sich vom Anschlag der menschlichen Gier in Millionen Jahren erholen und neue Vielfalt hervorbringen. Möglicherweise.
Vielleicht ist uns tatsächlich diese Erde nur auf sehr begrenzte Zeit als Wohnraum gegeben. Wir müssten dann noch einmal über unsere Eschatologie, über die letzen Dinge nachdenken.

Die Busan- Reisenden werden Menschen treffen, die vom anderen  Ende der Erde kommen, die anders singen, beten und denken, andere Ängste und andere Prioritäten haben.
Und doch vertrauen sie, wie wir,  auf die Versöhnungskraft Christi und die Erneuerungskraft des Heiligen Geistes.
Werden wir EuropäerInnen unsere Angst verständlich machen können, dass dies eine einmalig gefährdete Zeit ist in der Menschheitsgeschichte? Dass Busan zu einer einzigen Krisensitzung zur Rettung des Lebens auf dem Planeten  werden müsste?  Und die versammelte Christenheit ein Wort spricht, das die Welt - zuerst aber die Kirchen selbst - nicht überhören können.
Was wird in Busan geschehen?

Vielleicht ist die Lösung in der Losung schon ausgesprochen:
„Gott des Lebens“ Der Eingangs-Ruf wölbt sich wie ein Bogen über alle Suche nach Gerechtigkeit und Frieden. Das  Leben, die schiere Ermöglichung des Fortbestandes der Lebensvielfalt  ist  das große Vorzeichen vor der Klammer aller Friedens- und Gerechtigkeitsanliegen. Alle Nöte der Menschen  werden sich verschärfen, wenn es nicht gelingt, das steigende Fieber der Erde zu senken. Die Lebens-Luft wird dünn werden für alle, wie in Peking während des Smogalarms im Winter. Es wird mehr Flüchtlinge, mehr Hungertote, mehr Kriege, mehr Migration  geben.
Nicht weil die Menschen schlechter sind, wird es so werden, sondern weil wir nicht  klar genug gehört haben, auch in den Kirchen, dass wir den Gott des Lebens in allen seinen/ ihren Geschöpfen, mit denen wir die Erde teilen, ehren sollen.
Es ist ein furchtbares Missverständnis, das wir am Beginn des 21. Jahrhunderts korrigieren müssen.

Gott des Lebens, weise uns den Weg zu Gerechtigkeit und Frieden. Du willst nicht, dass die Geschöpfe des Planeten zerstört werden.
Schaffe in allen, die hier beim Kirchentag sind, die Mitleidenschaft, die in Jesus von Nazareth war. Gebrauche uns als Agenten des Lebens, als Anwältinnen  der Gerechtigkeit für alle, die das Leben auf dem Planeten Erde teilen.
Die Kirchen und ChristInnen sollen aufwachen aus dem Schlaf  des Traditionalismus und der Kleinteiligkeit und wirksame Instrumente des Friedens und der Gerechtigkeit werden zwischen Mensch und Mensch und zwischen Mensch und Natur.

Das geben wir den Busan Reisenden und dem Generalsekretär des ÖRK mit.
Und  unsere Gebete und unseren Segen.

Wir hier werden weiter gehen auf dem den Weg der Gerechtigkeit, einfacher zu leben. Wir finden neue  Namen für Gott, die nicht vom Herrschen und Allmacht sprechen, sondern vom der Mitleidenschaft Gottes, nicht vom Herrschen, sondern  und vom Walten Gottes in allen Geschöpfen.

Die  Augen Gottes. 
Wir wissen, wie sehr der Blick eines geliebten Menschen in uns ungeahnte Kräfte der Kreativität und Lebensliebe entbinden kann.
Wie viel mehr wird der Blick Gottes uns stark machen!
Denn Gott ist es, der/die auch die Evolution im Blick hat.
Blicke uns an, Gott des Lebens!
Aus der Tiefe des Wassers.
Im Blick eines Tieres.
Mit den Augen der Menschen.
Hilf uns leben!
Weise uns den Weg zu Gerechtigkeit und Frieden
mit den Menschen und mit der ganzen Erde.
Amen. 

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