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Newsletter 06a

Abschluss der Vorlesungsreihe „Mensch und Tier“
Die vom Institut für Theologische Zoologie in Kooperation mit der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Kapuziner im letzten Wintersemester durchgeführte Vorlesungsreihe hat letzte Woche ihren Abschluss gefunden, - was die wissenschaftliche Arbeit anbelangt!
Wir möchten Sie auf die feierliche Abschlussveranstaltung am 03.03.2011 im Westfälischen Pferdemuseum des Allwetterzoos Münster hinweisen. Hier wird zuletzt der literarisch-musikalische Schlusspunkt gesetzt: Sibylle Prinzessin von Preußen, Dr. Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen, Zoodirektor Jörg Adler, Generalmusikdirektor Fabrizio Ventura und die Pianistin Caroline Kirchhoff präsentieren Musik und Texte zur Würde des Tieres. Sie sind herzlich eingeladen mit uns zu feiern!

Lesen Sie in diesem und dem folgenden Newsletter eine Zusammenschau der Vorlesungsreihe:





1. Jenseits oder Diesseits von Eden.

Dozentin für Feministische Theologie und Genderforschung Aurica Nutt

Für eine (geschlechter-)sensiblere Theologie.
Der Leiter unseres Institutes Dr. Rainer Hagencord und die Münsteraner Dozentin für Feministische Theologie und Genderforschung Aurica Nutt näherten sich gemeinsam dem schwierigen Thema Weiblichkeit und Animalisches im Bereich des Glaubens und der Theologie.  „Die Geschichte der Theologie und der Kirche ist auch eine Ab-und Ausgrenzungsgschichte,“ so Rainer Hagencord. „Frauen können darüber ein trauriges Lied singen, und die Tiere könnten mit einstimmen.“
Frau Dr. Aurica Nutt und Dr. Hagencord zeichneten die sich sehr ähnelnden und doch ganz unterschiedlichen Wege der Missverständnisse über das Verständnis von der Frau einerseits und des Tieres andererseits in der Theologie nach.
Es zeigt sich, dass in beiden Feldern ein genauer Blick in die Hl. Schrift Abhilfe schaffen würde: Glaubenssätze, wie etwa der von der „Schuld der Frau“ an der Vertreibung aus dem Paradies lassen sich nicht halten. Die enge Auffassung von der „Vertreibung“ aus dem Paradies muss erweitert werden durch das Verstehen des Vorganges als „Reifungsweg“ des Menschen.
Und nicht zuletzt darf man feststellen, dass die Tiere (um im Bild zu bleiben) noch immer im Garten Eden sind, - die unmittelbare Gottesbeziehung zwischen Schöpfer und Geschöpf besteht hier nach wie vor.
Die Würde des Tieres erhält es ebenso wie der Mensch von Gott. Das Missverständnis vom Menschen als „Krone der Schöpfung“ löst Dr. Hagencord mit Blick auf die Bibel auf: „Der Sabbat-Zustand ist der Abschluss der Schöpfung, und an ihm haben auch die Tiere teil.“ Die besondere Stellung des Menschen bestehe vielmehr in seiner Ebenbildlichkeit von Gott, der Liebhaber des Lebens ist. „Erkennt man am heutigen Menschen, dass er ein Liebhaber des Lebens ist?“ fragt Hagencord.
Das Leben in allen Bereichen, - auch das Weibliche und Animalische im Bereich des Glaubens - , müsse angeschaut werden. Dies müsse eine (geschlechter-) sensiblere Theologie leisten.





2. Tierethik

Prof. Dr. Jean-Claude Wolf

Der Schweizer Prof. Dr. Jean-Claude Wolf, Experte für Ethik und politische Philosophie, wollte das Tier-Mensch-Verhältnis in politisch-philosophischer Perspektive vorstellen. (Bild Wolf) Leider musste er kurzfristig krankheitsbedingt seine Vorlesung absagen. Wir stellen Ihnen hier in Kurzform Einige Auszüge seines Vortrages vor:

  1. Zur Sonderstellung des Menschen im Kosmos fügt Prof. Wolf an: „Die kategoriale Unterscheidung zwischen moralisch handlungsfähigen und nicht-handlungsfähigen Lebewesen fällt nicht vollständig mit der Speziesgrenze zwischen Menschen und Tieren zusammen. Es gibt auch mehr oder weniger handlungsfähige Menschen. Auch Wesen, die nicht moralische Akteure sind, können einige Rechte haben.“

  2. Die vorkommende Grausamkeit des Menschen ist moralisch falsch, und tritt in drei Motivationsformen auf: Sadismus, Indifferenz, Gewohnheiten/Routine.

  3. Zum Umgang mit den Tieren im Herrschaftsbereich des Menschen gibt es verschiedene ethisch Modelle. Exemplarisch soll der ethische Meliorismus vorgestellt werden: In ihm werden kleine Schritte im Tierschutz als „gut“, und große (möglichst gewaltfreie) Umstellungen als „besser“ betrachtet. Es wird anerkannt, dass Veränderungen Zeit brauchen und von gesellschaftlichen, ökonomischen oder ökologischen Veränderungen abhängig sind.

  4. „Die Spiritualität bringt den Menschen in ein Verhältnis zu seiner Endlichkeit, zu den ,Grenzsituationen‘ seines Lebens. Sie ist kein Ersatz für moralisches und politisches Engagement. Spiritualität soll nicht Opium für Volk sein. ,Kämpfe und liebe das Leben.‘ (Dorothee Sölle)“ Individualität und Vielfalt darf bei der Anerkennung der Einheit des Seinsgrundes nicht geleugnet werden. Vielmehr besteht in dieser Einheit die Verantwortung gegenüber dem Leben.

  5. Die prinzipiell gleiche Ehrfurcht vor dem Leben kann jedoch nicht als Pflicht gelten, sie steht im Widerspruch zum common sense und den Zwängen in der Praxis sich mit Kompromissen zwischen den partikulären Interessen und der gleichen Ehrfurcht vor allem Leben auseinander zu setzen.

  6. Die Ehrfurcht vor dem Leben muss münden in eine Haltung der Offenheit (open mindedness), in der sich eine tiefe Affinität aller Lebensformen zeigt, und zwar sozusagen von ihnen selber her, ohne Konkurrenzkampf und ohne Verwertungsabsichten.

„Echte (christliche oder nicht-christliche) Spiritualität kann an diese äußerste Grenze einer Betrachtung führen, in der die einseitigen Machtansprüche und die Selbstglorifikation unserer Spezies an Glanz verlieren. Die christliche Entsprechung dieser Sichtweise ist auch ein ganz bestimmtes Hören und Hinhören auf das Seufzen der gesamten Schöpfung. Die ganze Schöpfung liegt in Wehen. (Vgl. Röm. 8) Der Gott dieser Schöpfung mag ein Menschenfreund sein, doch er ist gewiss kein parteiischer Gott, der den Rest der Schöpfung vergisst.“




Prof. Dr. Norbert Sachser, Foto:Peter Graver

Es hält sich immer noch im Allgemeinen die Auffassung, „Denken“ und „Gefühl“ seien Privilegien der Menschen, wohingegen bei Tieren die Motivationen für Handlungen instinktgesteuert, oder genetisch festgelegt seien. Diese Auffassung muss heute revidiert werden.

Prof. Dr. Norbert Sachser von der Universität Münster (Institut für Verhaltensbiologie) beschäftigt sich schwerpunktmäßig in der Forschung unter Anderem mit den molekularen und hormonellen Grundlagen des Verhaltens und der Evolution von Sozialsystemen.

In seinem Vortrag stellte Prof. Sachser aktuelle Untersuchungsergebnisse zu Funktionsweisen von Sozialsystemen vor, die er und sein Institut an Meerschweinchen-Populationen gewonnen haben.

So zeigt sich, dass Tochter-Nachkommen von Weibchen, die in einer instabilen sozialen Umwelt (hohe Populationsdichte) trächtig waren, hohe Testosteron-Werte aufwiesen, und in ihrem Verhalten „maskulinisiert“ waren. - Wohingegen Tochter-Nachkommen aus einer stabilen sozialen Umwelt typisch weibliche Verhaltensmerkmale aufwiesen. Der Grund dafür liegt in der Hormonausschüttung in den trächtigen Weibchen, der bedingt ist durch den Stressfaktor Umwelt.

Dieser „Maternal Effekt“, bei welchem (soziale) Umwelteinflüsse über die Mutter und ihr Hormonsystem auf die hormonelle Verfassung und das Verhalten der Nachkommen einwirkt, widerlegt die gängige Auffassung von der genetischen Festlegung selbst von einfachen Verhalten. Vielmehr zeigt sich schon hier ein komplexes Zusammenspiel von Genom- und Umweltfaktoren, welche Verhaltensmuster ausbilden. Diese Verhaltensmuster wiederum bieten in der jeweiligen Umwelt die besten Anpassungsmöglichkeiten, - „maskulinisierte“ Meerschweinchen-Weibchen sind im instabilen sozialen Umfeld keinesfalls verhaltensgestört!

Jedoch ist das tierliche Verhalten nicht nur auf hormonelle Gestimmtheit zurückzuführen: In der weiteren Entwicklung durchlaufen etwa die Meerschweinchen die „sensible Phase“ der Adoleszenz, in welcher sie durch ihre Interaktionspartner (das soziale Gefüge der Gruppe) angepasstes Verhalten durch Erfahrung erlernen.

Die Stichwörter „Lernen“ und „Denken“ hängen nun eng miteinander zusammen. Prof. Sachser erläuterte, dass es „einsichtiges Verhalten“ bei Tieren gäbe, etwa neukombiniertes Verhalten oder vorausschauendes Planen. Dies sei nicht nur beobachtbar bei menschenähnlichen Tieren (Primaten) sondern auch bei grundsätzlich anderen Spezies, z.B. Vögeln. Die Bewusstseinsforschung beschreite hier neue Wege und liefere neue Erkenntnisse: „Innerhalb von 30 Jahren haben wir in der Verhaltensbiologie eine andere Wahrnehmung der Tiere!“

Tiere sind uns Menschen in ihren Emotionen, in Abstraktions- und Planungsleistungen ähnlich. Der Unterschied liegt in den Antrieben tierischen Verhaltens, welche sich auf die Weitergabe der Kopien der eigenen Gene beziehen. „Nur der Mensch kann edel und gut sein“, so Prof. Sachser.


Fortsetzung folgt.

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