FITZ




 
 

Die Auflösung des Quiz

Im letzten Newsletter (Nr. 11) haben wir Ihnen von unserem Stand am Veggietag in Münster berichtet. An diesem Tag hielten wir – unter anderem – ein Quiz zum Thema „Tiere in der Bibel“ für die Besucherinnen und Besucher bereit. All jene, die nicht die Möglichkeit hatten, unseren Stand am Veggietag persönlich zu besuchen, wollten wir die Möglichkeit mitzurätseln nicht vorenthalten und haben Ihnen deshalb im letzten Newsletter das Quiz mitgeschickt. Wie versprochen, verraten wir Ihnen im aktuellen Newsletter die Auflösungen und erläutern deren theologischen Hintergrund ein wenig.


1. Was sieht Bileams Eselin (Num 22,23)? 

a) Die heranrückenden Truppen des Pharao.

b) Einen Engel.

c) Jesus und die Apostel.


Der Bibeltext berichtet davon, dass die Eselin des Propheten Bileam, der sich aufgemacht hat die Israeliten zu verfluchen, tatsächlich einen Engel mit gezücktem Schwert sehen kann, der ihr den Weg versperrt. Als sie daraufhin Umwege einschlägt, um ihren Herrn Bileam zu schützen, schlägt dieser sie mehrfach.

Daraufhin verleiht Jahwe ihr die Fähigkeit zu sprechen, und sie beschwert sich bei Bileam wegen dieser Behandlung. Als er daraufhin ebenfalls den Engel erblicken kann, erkennt er seine Ungerechtigkeit gegenüber seinem treuen Reittier.


In unserem Kontext erscheint insbesondere die scharfe Anrede des Engels: „Warum hast Du Deine Eselin dreimal geschlagen?“ Sie, als dasjenige Wesen, dass den Engel unmittelbar sehen kann, wohingegen der große Prophet Bileam (dessen ureigenes „Geschäft“ ja eigentlich die Erkenntnis von Gottes Willen sein sollte) mit Blindheit geschlagen ist, wird hier aufgewertet und das Verhalten des das Tier schlagenden Menschen verurteilt.

Zweierlei erscheint wichtig:

Die Verurteilung der Brutalität des Menschen durch den Engel (welcher einen personifizierten Willen Gottes darstellt): Es ist nicht richtig, dass der Mensch sich so achtlos gegenüber dem Tier verhält.

Die Wertung des Tieres, welches im Gegensatz zum Menschen eine unmittelbare Erkenntnis der Welt Gottes hat.


2. Seit wann ist es den Menschen von Gott erlaubt, Fleisch zu essen (Gen 9,3)?

a) Schon immer.

b) Seit der Sintflut.

c) Seit dem Auftreten von Elija.


Es ist dem Menschen tatsächlich erst nach der Errettung vor der Sintflut erlaubt, Fleisch zu essen.

Im Schöpfungsbericht Genesis 1,29, unmittelbar nachdem Gott den Menschen als „Herrscher“ über alle Tiere der Erde, Vögel und Fische eingesetzt hat, heißt es: „[...] Seht, ich gebe euch alles Kraut auf der ganzen Erde, das Samen trägt, und alle Bäume, an denen samentragende Früchte sind. Das wird eure Nahrung sein.“

Erst in Gen 9,3 ist es dem Menschen dann explizit und mit Auflagen erlaubt Fleisch zu essen. Die Begründung liefert Gott selbst in Gen 8, 21: „[...] Denn das Trachten des Menschenherzens ist böse von Jugend an.“

Es ist somit möglich den Text gewissermaßen als Eingeständnis in die Schuld und Schwachheit des Menschen zu lesen. Seinem ureigensten Sinn nach handelt der Mensch nicht recht, wenn er das Fleisch seiner Mitgeschöpfe isst. Es ist ausschließlich ein barmherziger Akt Gottes, der dem Menschen seine Schwachheit nicht zur Last legt.


3. Jesus war bei den Menschen. War Jesus auch bei den Tieren (Mk 1,13)?

a) Nein.

b) Ja, nachdem er mit den Sündern gegessen und getrunken hatte.

c) Ja, nachdem er in der Wüste durch den Satan versucht worden war.


Die kurze Notiz bei Markus mutet schlicht und einfach an: „Und er war vierzig Tage in der Wüste und wurde vom Satan versucht. Und er war bei den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm.“

Die bei den Evangelien nach Matthäus und Lukas wesentlich stärker ausgestaltete Versuchung Jesu hat bei Markus nur wenig Raum. Sie wirkt jedoch sehr stark, wenn man sich auf das Bild einlässt, dass der Evangelist von Jesus zeichnet: Als derjenige, der in der Wüste der Versuchung durch den Satan widerstanden hat, steht Jesus als Sinnbild des Menschen schlechthin zwischen den Bereichen des „Wilden Tieres“ und der „Engel“ im Zentrum! Dies ist der wahre Ort des Menschen. Und es zeigt sich das große Friedensbild des bei den wilden Tieren ruhenden Menschen, dem die Engel dienen. In diesem Panorama sind alle Kräfte und Mächte an ihrem Ort in einer friedlichen Ordnung.


4. Was tun im ersten Buch Samuel 6,7-12 die Kühe der Philister?

a) Sie ziehen die Lade im Auftrag Gottes entgegen ihres mütterlichen Triebes zurück nach Bet-Schemesch.

b) Sie stehen in Kreisformationen um die angreifenden Anhänger Dagons.

c) Sie springen von selbst in das Opferfeuer der Israeliten.

Ehrlicherweise werden die Vegetarier unter uns bei einer weitergehenden Lektüre sicherlich nicht zufrieden gestimmt sein: Die Tiere werden, nach der Überbringung der Lade, Gott als Opfer dargebracht.

Wir dürfen jedoch begründet davon ausgehen, dass ihnen dabei eine hohe Würdigung und Wertschätzung als Mitgeschöpfe Gottes zuteil geworden ist.

Die Aussage des Bildes liegt in tieferen Schichten: Die Bundeslade wurde den Israeliten auf einem Beutezug von den Philistern geraubt, woraufhin sich bei diesen Krankheiten im Lager ausbreiteten. Die Philister erkannten schnell, dass diese Krankheitsfälle mit der geraubten Lade zusammenhängen mussten und suchten, diese wieder los zu werden.

Auf prophetischen Zuspruch hin spannten sie die Muttertiere vor die Lade.

Von ihren Kälbern getrennte Muttertiere lassen sich von nichts abbringen, diese wieder aufzusuchen! Hier hingegen ziehen die Tiere die Lade direkt bis zu den Israeliten zurück!

In dem Bild zeigt sich die Liebe Gottes, der wie eine von ihren Kindern getrennte Mutter dazu drängt, wieder bei seinen Kindern zu sein!

Der wichtige Aspekt im Bild ist die Liebe Gottes zu seiner „Herde“, - die Liebe selbst drängt entgegen der Natur der Tiere, sichtbar in der Natur der Tiere (!) zu den Menschen hin!

Erneut scheint die Würde der Tiere (deren Würdigung ihren archaischen Ausdruck in der Opferung findet) als Gottes „Sprachrohr“ und williges Werkzeug zur Botschafts-Übermittlung an die Menschen auf!


5. Welche Rolle spielen die Tiere in Hiob 12,7-10?

a) Sie sollen Hiob und seinen Freunden als Freudenmahl dienen.

b) Sie haben das natürliche Wissen um das Wirken der Macht Gottes.

c) Sie kämpfen mit Gott und den Menschen gegen die entfesselten Mächte der Finsternis.


„Wer von ihnen allen wüsste nicht, dass die Hand des Herrn es so gemacht hat?“ (Hiob 12,9) Der Bibeltext nennt die Tiere als die unmittelbar Gott erkennenden Wesen. Die Belehrung, die dem Menschen Hiob zuteil wird, haben sie nicht nötig. Hier scheint eine der höchsten Wertschätzungen der Tiere auf, die sich im Ersten Testament finden lassen!

Hiob klagt Gott wegen seiner Leiderfahrungen an. Er wird belehrt, dass nicht der Mensch im Mittelpunkt des Lebens steht. Er ist vielmehr, wie die gesamte Schöpfung, auf Gott hingeordnet! Auch die Schöpfung wird von Gott gehalten, er ist derjenige der sich um sie kümmert, gerade um die geheimnisvollen Bereiche der Schöpfung, die dem Menschen nicht zugänglich sind (vgl. etwa Hiob 39). All dem gegenüber kann der Mensch nur staunend und ehrfurchtsvoll gegenüber stehen. Hiob erkennt dies letztlich demütig. Wegen dieser ehrfurchtsvollen Demut wird er von Gott wieder zu allen Ehren gebracht.

Von Korbinian Labusch


Nachlese zum Papstbesuch (von Dr. Rainer Hagencord) Von der Würde der Erde

Von der Würde der Erde

…sprach Papst Benedikt XVI. am 22.9.2011 in seiner viel beachteten Rede im Deutschen Bundestag:

„Ich erinnere an einen Vorgang in der jüngeren politischen Geschichte, in der Hoffnung, nicht allzusehr mißverstanden zu werden und nicht zu viele einseitige Polemiken hervorzurufen. Ich würde sagen, daß das Auftreten der ökologischen Bewegung in der deutschen Politik seit den 70er Jahren zwar wohl nicht Fenster aufgerissen hat, aber ein Schrei nach frischer Luft gewesen ist und bleibt, den man nicht überhören darf und nicht beiseite schieben kann, weil man zu viel Irrationales darin findet. Jungen Menschen war bewußt geworden, daß irgend etwas in unserem Umgang mit der Natur nicht stimmt. Daß Materie nicht nur Material für unser Machen ist, sondern daß die Erde selbst ihre Würde in sich trägt und wir ihrer Weisung folgen müssen. Es ist wohl klar, daß ich hier nicht Propaganda für eine bestimmte politische Partei mache – nichts liegt mir ferner als dies. Wenn in unserem Umgang mit der Wirklichkeit etwas nicht stimmt, dann müssen wir alle ernstlich über das Ganze nachdenken und sind alle auf die Frage nach den Grundlagen unserer Kultur überhaupt verwiesen. Erlauben Sie mir, bitte, daß ich noch einen Augenblick bei diesem Punkt bleibe. Die Bedeutung der Ökologie ist inzwischen unbestritten. Wir müssen auf die Sprache der Natur hören und entsprechend antworten. Ich möchte aber nachdrücklich einen Punkt noch ansprechen, der nach wie vor weitgehend ausgeklammert wird: Es gibt auch eine Ökologie des Menschen. Auch der Mensch hat eine Natur, die er achten muß und die er nicht beliebig manipulieren kann. Der Mensch ist nicht nur sich selbst machende Freiheit. Der Mensch macht sich nicht selbst. Er ist Geist und Wille, aber er ist auch Natur, und sein Wille ist dann recht, wenn er auf die Natur hört, sie achtet und sich annimmt als der, der er ist und der sich nicht selbst gemacht hat. Gerade so und nur so vollzieht sich wahre menschliche Freiheit.“

Es wird dem großen Denker und Theologen bewusst gewesen sein, dass er hier einen sehr großen Begriff in die Debatte einbringt, nämlich den der Würde. Spätestens seit Kant leben wir im aufgeklärten Europa ausgesprochen oder unausgesprochen mit dem Leitgedanken, dass es keine ablesbare Wertordnung als Seinsordnung gibt. Gegenüber einem Gott und seiner Schöpfung hat der Mensch keine Pflichten mehr, lediglich gegenüber anderen Personen. Denn im Denken des großen Königsberger gibt es nur noch Personen und Sachen; ersteren kommt eine Würde zu, ihnen gegenüber gibt es sittliche Verpflichtungen, nicht aber gegenüber der Natur und in Folge den Tieren, die zu den Sachen gehören. Dass sie über keinen Selbstzweck verfügen und somit auch über keinen eigenen inhärenten und absoluten Wert, den eine sittliche Person dann folglich nicht anerkennen kann und muss, ist die philosophische Grundlage unseres neuzeitlichen Denkens.

Diese gedankliche Grundlage hat letztlich dazu geführt, dass die Natur zur Ressource reduziert wird und wurde, die keinen eigenen Wert – keine Würde hat. Auch liefert dieser Ansatz letztlich die Legitimation einer Tierhaltung, in der Puten, Hühner, Schweine und Rinder behandelt werden wir Rohlinge einer Fleisch-, Eier- und Milchindustrie.

Vor diesem Hintergrund spricht Benedikt nun davon, „daß die Erde selbst ihre Würde in sich trägt und wir ihrer Weisung folgen müssen“. Von der Würde der Erde ist der Schritt nicht nur nicht weit, sondern geradezu zwingend, hin zur Würde der Erdenbewohner, der Tiere (und Pflanzen).

Vom Literaturnobelpreisträger Elias Cannetti stammt das Wort:

„Mit zunehmender Erkenntnis werden die Tiere den Menschen immer näher sein, wenn sie dann wieder so nahe sind wie in den ältesten Mythen, wird es kaum mehr Tiere geben.“

Der Papst als großer Kenner der biblisch-theologischen Traditionen weiß sehr wohl um die Nähe des Menschen zum Tier und davon, dass allen Geschöpfen der Segen Gottes zukommt und somit eine theologische Würde. Die Mythen der Bibel von der Arche Noah und den Tieren im Garten Eden etwa bewahren diese theologischen Grundüberzeugungen des jüdisch-christlichen Denkens, die allerdings fast vergessen sind.

Die Erkenntnisse der modernen Verhaltens- und Evolutionsbiologie kommen hinzu und fragen die Sonderstellung des Menschen im Gesamt des Lebendigen zutiefst an: es trennt uns kein Graben von den Schimpansen, Gorillas, Schweinen und Delphinen. Und diese Erkenntnisse drängen sich uns auf inmitten der ökologischen Katastrophe, in der täglich ca. 10 Tier- und Pflanzenarten aussterben, und dies vor allem aufgrund eines unverantwortlichen Konsumverhaltens in der so genannten I. Welt. Hinzukommt, dass sich eine Landwirtschaft etabliert, die dazu führt, dass auch die Puten, Hühner und Schweine aus unserem Blickfeld „verschwinden“ und nur noch säuberlich abgepackt als Fleischstücke vorkommen. Davon, dass eine verantwortungsbewusste und nachhaltig arbeitende bäuerliche Agrar-Kultur ausstirbt, ganz zu schweigen.

Von der Würde der Erde, von der Würde der Tiere und den Folgen dieser neuen Würdigung gilt es zu sprechen, sie einzubringen in die Debatten um eine verantwortbare Landwirtschaft und Tierhaltung im vermeintlich „christlichen Abendland“.

Hinweis

Unter dem Stichwort „Think Tank Theologische Zoologie“ trifft sich circa einmal im Monat eine Gruppe Studierender, Promovierender und Interessierter, um sich über aktuelle Forschungsthemen Ihrer eigenen Arbeit auszutauschen. Angedacht ist, dass jeweils ein bis zwei Forschungsprojekte aus dem Kontext der theologischen Zoologie vorgestellt und zur Diskussion gestellt werden. Ziel ist hierbei – neben einer wissenschaftlichen Vernetzung – eigene Fragestellungen in einer scientific community zu debattieren und Anregungen zur Weiterentwicklung des jeweiligen Konzeptes zu erhalten.

Kürzlich fand das konstituierende Treffen des Thank Tanks statt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, die Gruppe zu bereichern. Bei Interesse nehmen Sie bitte mit Dr. Rainer Hagencord (info@theologische-zoologie.de) Kontakt auf.

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