FITZ




 
 

Gedanken, Informationen und Impressionen zum 1. Betriebsausflug der MitarbeiterInnen des Fördervereins des Institutes für Theologische Zoologie (FITZ)

Es war wirklich eine gute Idee des (F)ITZ-Leiters Dr. Rainer Hagencord, auch in unserem noch kleinen, engagierten MitarbeiterInnenkreis mit der schönen Tradition eines Betriebsausflugs zu beginnen – bietet er doch auch einmal Gelegenheit zu mehr persönlichem Austausch und Reflektionen in aller Ruhe zur Thematik, die uns alle bewegt.

Dieses kleine FITZ-Team besteht derzeit inklusive des Vorsitzenden – primus inter pares - aus 8 MitarbeiterInnen unterschiedlicher Alters- und Berufsstruktur, die der Wunsch, die Ziele des Institutes in vielfältiger Weise zu unterstützen, zusammen geführt hat.

Das Ausflugsziel war schnell gefunden. So trafen wir uns am Nachmittag des 10. Mai 2012 - PartnerInnen und Kinder waren ebenfalls willkommen -  auf dem Hof Lohmann, einer land-wirtschaftlichen Zweigstelle der Freckenhorster Werkstätten. Dr. Hagencord steht mit dieser Einrichtung in regelmäßigem Kontakt durch Besuche mit seinen Seminargruppen, um den Studenten und Studentinnen die integrative Arbeit dieses Projektes näher zu bringen und ihnen darüber hinaus den hautnahen Kontakt zu den sog. Nutztieren eines Bauernhofes zu ermöglichen.

Ein Grundanliegen des Werkstatt-Konzeptes auf dem Hof Lohmann ist die Begegnung und Arbeit von Menschen mit Behinderungen mit und in der Natur, d.h. mit Tieren und Pflanzen auf 16 ha Acker- und Weidefläche in einer ökologisch bewussten Landwirtschaft, die nach den Bio-Richtlinien des Naturland-Verbundes ausgerichtet ist. Dass ein solcher Kontakt zur Natur ‚mit Hand und Herz’ heilende Wirkung hat, haben ähnliche Projekte gezeigt. Dabei kommt der Arbeit und Begegnung mit den ‚Nutztieren’ ein besonderer Stellenwert zu. Sechs Pferde werden außerdem für heilpädagogisches Voltigieren und Reiten in der hauseigenen neuen Reithalle eingesetzt. Ein schöner Anbau, der sich harmonisch in das Rund der alten Bauernhofgebäude einfügt, bietet  Wohnraum für die vor Ort lebenden und arbeitenden Menschen und eine Reihe von hauseigenen Produkten werden in einem Hofladen verkauft.

Beliebtes und bekanntes Ausflugsziel ist der Hof Lohmann ebenfalls für Wanderer, Radfahrer und Reiter (Reitstation), die sich gern im Hofcafé mit selbst gebackenen Köstlichkeiten verwöhnen lassen. So zog es auch uns zunächst zu Kaffee und Kuchen und entspanntem Austausch an einen großen runden Eichentisch des Cafés, einen gemütlichen Raum in der früheren Tenne dieses typisch westfälischen Bauernhauses, der auch Kommunikationszentrum der Einrichtung ist.

Unser besonderes Interesse galt natürlich den Hoftieren und wir machten uns bald auf den Weg zu einem Hofrundgang. Hühner, Schweine und Schafe werden auf dem Hof Lohmann entsprechend den Richtlinien für artgerechte Tierhaltung gehalten und vermarktet, Richtlinien, die u. a. das Zusammenleben der jeweiligen Arten in zumeist Offenställen und in ihren sozialen Gemeinschaften fordern.

Es gehört zu den Zielen des Hofes, auch den Besuchern den hautnahen Kontakt gerade zu den so genannten Nutztieren zu ermöglichen – eben jenen Tieren, die in der Billigfleisch-Massenproduktion der heutigen Zeit zu Sachen degradiert worden sind und zumeist ein trauriges, unwürdiges und oftmals schmerzgeplagtes Leben entweder in ‚Einzelhaft’ fristen (siehe z.B. die Haltung von Zuchtsauen in engen Gittergehäusen und auf Gitterspaltböden) oder auf engstem Raum zusammengepfercht zwischen Massen ihrer Artgenossen erdulden müssen (z.B. in der Hühnerhaltung).

Auf dem Hof Lohmann dagegen leben die Schweine in kleinen Gemeinschaftsställen mit Außenbereich und auf reichlich Stroh. Wir konnten erleben, dass auch Schweine empfänglich sind für Streicheleinheiten, genauso wie unsere Haustiere Hund und Katze. Unsere menschlichen Interessen haben die Tiere einfach zwei unterschiedlichen Kategorien zugeordnet: Die einen verwöhnen wir zum Zwecke unserer Bedürfnisbefriedigung nach Nähe und Freundschaft und die anderen verarbeiten wir zu deren Futter und zu unserer leiblichen Nahrung bzw. zu unseren Gaumenfreuden. Gern ließen sich auch die Schweine, gegen die Außengitter gelehnt, von uns Hals und Rücken kraulen, während uns Dr. Hagencord erklärte, dass ihre Augen dem menschlichen Auge sehr ähnlich sind und wissenschaftliche Forschungen ihren hohen Intelligenzgrad aufgezeigt haben.

Dann ging es vorbei am Paddock eines Therapiepferdes, vorbei an einer weitläufigen Wiese mit zig Hühnern, die dort in der Erde scharren und den Schutz von Bäumen und Sträuchern aufsuchen können, bis zu einem großen Gehege (auch hier schöne, offene Schutzzonen für die Tiere) mit ein paar Mutterschafen und ihren Lämmern, deren Stimmen denen der Menschenkinder nicht unähnlich sind, wenn sie nach ihren Müttern rufen.

Wie niedlich sie sind, diese kleinen weißen Wollknäuel. Schon in den ersten Bilderbüchern unserer Kinder dürfen sie nicht fehlen. Da kann man schon ins Nachdenken kommen.… Ob die hier geborenen   Tierkinder wohl auch als Osterlämmer verkauft und dann als Lammbraten etc. zubereitet werden? Warum töten wir sie, entreißen die Tierkinder ihren Müttern und umgekehrt, verkürzen ihr Leben nach unserem Gutdünken und zerstören ihre sozialen Lebenszusammenhänge – auch in der Bio-Landwirtschaft. Warum berührt das die meisten Menschen so wenig? Brauchen wir ihr Fleisch wirklich für unsere Ernährung, wir, deren Angebot an Lebensmitteln riesengroß ist?

Gewiss ist eine weitgehend artgerechtere Haltung unserer ‚Nutztiere’, bevor sie dem Menschen als Bio-Fleisch dienen, ein überaus wichtiger Schritt in die richtige Richtung: Den Tieren zumindest vor ihrer Schlachtung ein würdiges Leben zu ermöglichen. Das ist gegenüber der heutigen intensiven Fleisch- und Milchwirtschaft gewiss sehr zu begrüßen. Aber – am gesellschaftlich legitimierten Grundsatzdenken ändert es nichts: Dass die Tiere zum Nutzen der Menschen da seien, für deren Bedürfnisse. Stimmt das? Oder haben die Tiere eine Würde in sich, vielleicht sogar eine wichtige Bedeutung zum Verständnis unserer Schöpfungszusammenhänge?

Eine Kette vieler Fragen, über die wir uns im Allgemeinen wenig Gedanken machen. Gewohnheit, gesellschaftlicher Konsens und Unwissenheit gegenüber der Natur unserer tierlichen Mitgeschöpfe verhindern das – Unwissenheit und Desinteresse, die zum Wegschauen von ihrem meist kurzen Lebensweg führen  –  zum Nutzen der Menschen. ‚Nutztiere’….

Ablenkung von diesen traurigen Gedanken verschaffte die große Herde von Ziegen mit ihren fröhlichen, springlebendigen Zicklein. Gleich am Eingang zum Hof (unser Rundgang hatte sich geschlossen) befindet sich ein großes Gehege mit einem Teich und einem Offenstall. Besonders die beiden Kinder in unserer Ausflugsgruppe konnten nicht genug davon bekommen, diese lustigen, zutraulichen und stets hungrigen Vierbeiner mit Spezialfutter aus der Hand zu füttern. Leider ist das seit einiger Zeit nur noch durch den Maschenzaun möglich; denn das als Streichelzoo gedachte Gehege musste geschlossen werden, nachdem mehrfach beobachtet  worden war, dass Kinder und Jugendliche aus Besucherkreisen die Tiere traktiert hatten. Liegt es daran, dass die Versachlichung von Tieren, vor allem derer, die nicht zu den von uns auserwählten Haustieren gehören, auch schon im Denken und Fühlen von Kindern verankert ist? Dass  ihnen die meisten Tiere so sehr entfremdet sind, dass Empathie kaum noch möglich ist? Denn diese kann nur dort wachsen, wo konkrete, hautnahe Begegnung erfahren werden kann.

Umso wichtiger, dass es Bauernhöfe, echte Erlebnishöfe, wie den Hof Lohmann gibt, auf denen es heißt: Anfassen und Streicheln der Tiere, Kontakt aufnehmen und spüren, dass sie lebendige Geschöpfe sind wie wir – ausdrücklich erwünscht!

Wir sind uns einig in unserem FITZ-Team, dass gedankliche Bewusstseinsarbeit in Richtung ‚Blickwinkel in der Mensch-Tier-Beziehung verändern’ grundlegend wichtig und erforderlich ist. Die hautnahe Begegnung mit dem Tier, das In-Kontakt-Treten, ist es aber auch.

Wir freuen uns auf unseren nächsten Ausflug und werden berichten.


Ingeborg Rehder im Juli 2012


Der Förderverien auf dem Hof Lohmann

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