FITZ




 
 

Liebe Leserinnen und Leser,

im aktuellen Newsletter möchte sich der Förderverein des Instituts für Theologische Zoologie mit seiner gesamten Mannschaft bzw. Frauschaft vorstellen. Im Anschluss laden wir Sie ein, die Predigt „Die Erde gehört uns nicht“ der Vorsitzenden des ITZ-Kuratoriums, Bischöfin i.R. Bärbel Wartenberg-Potter zu lesen, bevor wir Sie zu guter Letzt auf den nächsten Termin des Think Tank Theologische Zoologie sowie auf die Forschungsarbeit von Annika Döring hinweisen möchten.

Viel Freude beim Lesen wünscht
Ihr FITZ-Team

Michele Cappiello (2. Vorsitzender; Designer AGD)

Mit der Eröffnung des Institutes rückte ich dem Thema „Theologische Zoologie“ immer und immer näher: erst aus freundschaftlicher Geste jetzt schon lange aus Überzeugung, weil das Thema dringend mehr Raum in unserer Gesellschaft und in unseren Gemeinden einnehmen muss. Seit Gründung des Institutes für Theologische Zoologie arbeite ich mit meinen Kompetenzen als Kommunikationsdesigner und denen meiner naturwissenschaftlichen Ausbildungen (PTA / Studium der Biologie/Pharmazie) mit im Förderverein.

Mein Schwerpunktgebiet liegt in der Gründung und Begleitung der Initiative „Münster isst veggie!“ Veggietag Münster sowie der technischen Betreuung (Internetseiten, Hard- und Software sowie Dr. Hagencord). ;)

 

Tonja Cappiello (Beirätin; Diplom Biologin und Grafikerin)

Die Entwicklung des Projektes „Theologische Zoologie“ durfte ich von Anbeginn während meines Biologie-Studiums mitverfolgen und direkt bei der Gründung und Eröffnung des Institutes für Theologische Zoologie als Grafikerin unterstützen. Inzwischen bin ich im Förderverein des Institutes für Theologische Zoologie als Wissenschaftliche Angestellte stundenweise beschäftigt und arbeite zudem ehrenamtlich mit, das Thema „Die Würde der Tiere" mit einem anderen Blickwinkel anzugehen. Meine Schwerpunkte liegen vor allem in den Bereichen Kongressorganisation, Betreuung der Außendarstellung (Online, Offline, Social Media), Koordination und Netzwerkbetreuung.

 

Dr. Julia Enxing

Das Institut für Theologische Zoologie vereint zwei meiner größten Interessen: Tiere und Theologie. Zunächst studierte ich vier Semester Veterinärmedizin in Leipzig, bevor ich mich dazu entschloss in Mainz und Münster Katholische Theologie zu studieren. Derzeit bin ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Fundamentaltheologie und Dogmatik der Otto-Friedrich-Universität Bamberg tätig. Seit gut zwei Jahren bringe ich meine Ideen und Perspektive in den Förderverein ein und engagiere mich in der Erstellung der Newsletter.

Mit so vielen interessierten und unterschiedlichen Menschen an einem Projekt zusammenzuarbeiten, fasziniert mich und bereitet mir große Freude. Besonders die offene Atmosphäre der Teamtreffen und die Möglichkeit, dort aktuelle Themen gemeinsam zu durchdenken und (kontrovers) zu diskutieren schätze ich sehr.

 

Dr. Rainer Hagencord

Mehr und mehr erlebe ich den Förderverein als ein Gremium, das formal wie ein geschäftsführendes Leitungsteam arbeitet:

Im Laufe der drei Jahre seit der Gründung des Institutes haben sich engagierte Menschen gefunden, die sich fast alle ehrenamtlich einsetzen und die sich nun mit ihrem Gesicht und ihren besonderen Zugängen zum Thema in diesem Newsletter zeigen.

Inhaltlich bin ich überaus dankbar, hier einen Kreis von zuverlässigen Menschen gefunden zu haben, die für das Anliegen der Theologischen Zoologie „brennen“, mit denen ich meine alltägliche Arbeit besprechen und einer kritischen Würdigung unterziehen kann.

Tatsächlich bin ich überrascht und auch dankbar, dass die Arbeit des ITZ an vielen Stellen in Gesellschaft, Wissenschaft und Kirche als innovative und seriöse Arbeit wahrgenommen wird und nur noch selten als „exotisches Nebenthema“.

Für mich ist es ermutigend und hoffnungsvoll, dass sich im Rahmen des Fördervereins eine Struktur entwickelt, die ein neues Thema langsam aber sicher in eine tragfähige Form bringt. Und diese ist geprägt von außerordentlichen Persönlichkeiten, denen es nicht um ihre eigene Profilierung geht.

Als Initiator und Gründer des Institutes bin ich froh und sehr dankbar, ein solch engagiertes Team gefunden zu haben!

 

Korbinian Labusch

Ich studiere im Zweitstudium katholische Theologie an der PTH Münster. Hier lernte ich im Herbst 2009 Dr. Rainer Hagencord und das Institut für Theologische Zoologie im Rahmen einer Lehrveranstaltung kennen. Seither „verfolgt“ mich das Thema in seiner Bandbreite.

Anfangs arbeitete ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter für das Institut. Seit der Gründung des Fördervereins aber engagiere ich mich, so es die Zeit zwischen Job, Studium und anderer Verpflichtungen zulässt, ehrenamtlich für das Projekt der Theologischen Zoologie. Etwa bei anfallenden Textarbeiten im Rahmen des Hochschulbetriebes, der Newsletter-Erstellung, der Protokoll-Führung bei den regelmäßigen Treffen oder organisatorischen Hilfsarbeiten.

Ich finde es faszinierend, die Theologie interdisziplinär und an brandaktuellen Themen arbeiten zu sehen. So war es in erster Linie die Bewusstseinsentwicklung bei Tieren, die mich interessierte. Die theologische Auseinandersetzung mit der Frage nach der „Seele der Tiere“ schloss sich an. Mit den moralischen Herausforderungen, die sich für mich aus den Erkenntnissen der Theologischen Zoologie ergeben, erlebe ich spürbar die spannungsvolle Dynamik auf meinem eigenen Glaubensweg.

 

Ingeborg Rehder

Als ehemalige Französisch- und Sportlehrerin habe ich keine fachspezifische Affinität zum ITZ. Es war vielmehr mein großer Wunsch, für das würdige Lebensrecht unserer Mitgeschöpfe, der Tiere, einzutreten, der mich vor drei Jahren – über die Medien und eine Vortragsreihe des ITZ – mit diesem besonderen Institut in Kontakt brachte. Seit ca. zwei Jahren bin ich nun ehrenamtlich als Schatzmeisterin im Förderverein des ITZ tätig, darüber hinaus übernehme ich Recherchen oder die gelegentliche Beantwortung von LeserInnenbriefen bzw. die Rezension eingeschickten Buch- und Hörmaterials zu unserer Thematik.

Schon lange begleitet mich meine Liebe zu den Tieren, wobei mir erst durch eine längere Lebensperiode auf dem Lande und den Kontakt zu unseren sog. ‚Nutztieren’ bewusst wurde, wie selbstverständlich wir die Tiere unseren persönlichen Nutzungsabsichten unterwerfen - und dass eine weit verbreitete, gesellschaftlich tolerierte Ignoranz gegenüber der oftmals respektlosen Behandlung vieler unserer tierlichen Mitgeschöpfe und deren Leidensweg besteht.

Über meine Begegnung mit dem ITZ/ FITZ bin ich deshalb so froh, weil hier Grundlagenarbeit zum Thema der Mensch-Tier-Beziehung betrieben wird in der Form, dass das in unserem Kulturkreis weit verbreitete anthropozentrische Weltbild kritisch hinterfragt wird – und das aus biologisch-naturwissenschaftlicher wie auch theologisch-ethischer Sicht. Dass diese Fragestellung von einem christlich geprägten Institut ausgeht, halte ich für besonders aussichtsreich, aber auch mutig, rüttelt sie doch an alten, lieb gewonnenen Grundfesten über Gottes angebliche Lieblingsspezies, den Menschen, und dessen angeblichen Befugnissen gegenüber anderen, nicht-menschlichen Mitgeschöpfen.

Es macht Freude, Teil der BLICKWINKELVERÄNDERER zu sein. Ich wünsche mir, diese Blickwinkelveränderung nicht nur an meine Enkel weiterzugeben, sondern zukünftig auch Kontakte zwischen dem ITZ und Schulen knüpfen zu können.

 

Heinrich Völkering

Ich bin 65 Jahre alt und Vater zweier erwachsener Töchter. Im westlichen Münsterland nahe der holländischen Grenze auf einem kleinen Bauernhof aufgewachsen, konnte ich die traditionelle Landwirtschaft kennen lernen und bei den Eltern eine große Wertschätzung der Tiere erleben. Nach dem Studium in Münster habe ich in der Nähe von Osnabrück bis zur Pensionierung neben anderen Fächern vorrangig Englisch und Katholische Religion unterrichtet. Auf einer von Anton Rotzetter organisierten Wanderung in Italien bin ich auf das Institut aufmerksam geworden. Angesichts der sich ausweitenden Massentierhaltung und der damit einhergehenden weltweiten Ressourcenvernichtung und Missachtung der elementaren Bedürfnisse der Tiere schließt sich für mich mit der Arbeit im Förderverein des Instituts der Kreis. Die Würde der Tiere ( wieder ) ins kirchliche und gesellschaftliche Bewusstsein zu bringen, erscheint mir gerade für Deutschland sehr wichtig. Im Laufe der Beschäftigung mit der heutigen „Fleischproduktion“ bin ich Vegetarier geworden. Die Dokumentation der verschiedenen Aktivitäten des Instituts und Textkorrekturen sind meine besonderen Aufgaben. Die entspannte Atmosphäre bei den regelmäßigen Treffen und die engagierte Arbeit des Teams machen mir viel Freude.

 


„Die Erde gehört uns nicht“ Predigt zu Psalm 8 im Rahmen des Sülz-Klettenberger Ökumenischen Kirchentages „Schöpfung wahrnehmen-wertschätzen-bewahren“ 28. September 2012 in Köln St. Nikolaus Bischöfin i.R. Bärbel Wartenberg-Potter, Lübeck (1)

I.

Heute erzähle ich Ihnen die Geschichte eines Baumeisters, der ein großes Projekt verwirklichte. Ein herrliches Haus mit vielen Wohnungen. Für Menschen verschiedenster Kulturen und Herkünfte, Alte, Junge, schwarze, weiße, gelbe, bunte. Ein großzügiges Juwel.

Um das Haus herum  war ein Garten mit viel Essbarem. Und eine Wiese mit Äpfeln, Birnen, Pflaumen. Es gibt Teiche mit Seerosen und Fröschen, Bächlein, in denen Fische schwimmen, Blumenrabatten mit Rosen und Lavendel.

Auch Tiere sind da: Katzen und Hunde, Hühner und Gänse, Schafe, Schweine und Kühe, Vögel und Eichhörnchen. Was Du willst. In der Nacht kommen Igel und Rehe und manchmal Wildschweine und bedienen sich an den Abfällen. Es ist herrlich, da zu wohnen. Ruhig und doch lebendig. In der Natur und doch mit anderen Menschen.

Als das Haus fertig war, ruft der Baumeister die BewohnerInnen zusammen und sagt: „Ich habe ein sehr schönes Haus gebaut, ein Meisterstück. Ich übergebe es Euch.  Ihr könnt in meinem Haus wohnen. Pflegt es, geht verantwortlich um mit dem Haus, mit den Menschen, mit dem Garten, mit den Tieren. Vergesst nicht, es ist Euer Lebenshaus. Ich  wünsche Euch viel Glück.“

Und so gab es eine glückliche Wohngemeinschaft. Alle waren achtsam und dankbar.

Aber - Sie ahnen  es schon, die Parabel ist ja recht durchsichtig -  es dauerte nicht lang, da begannen die ersten Zwistigkeiten, Nachlässigkeiten, Streitereien. Die ersten Auszüge und Neueinzüge. Das Haben-Wollen begann. Die Wiese wurde zu einem Freizeitpark, die Obstbäume zur Obstproduktion veredelt. Die Tiere durften nicht mehr herumlaufen, sie wurden gemästet und geschlachtet. Es gab einen Stacheldrahtzaun gegen die Wildschweine und Rehe und gegen menschliche Eindringlinge. Der Abfall wurde in das Bächlein geworfen, sodass es zu stinken begann. Man expandierte. Umbauten wurden vorgenommen und eines Tages wurde rücksichtslos eine tragende Wand eingerissen, sodass das ganze Haus gewaltig ins Wanken kam.

Der Bauherr wurde gerufen und war entsetzt. Was war aus dem schönen Projekt geworden?  „Dieses Haus habe ich euch anvertraut, ich habe mich auf euch verlassen. Was habt Ihr daraus gemacht?“

Sie haben es längst gemerkt, bei dieser Geschichte geht es um uns, um das Welten-Haus, um die Erde. Wir sind dabei, sie zu ruinieren.

Die Eiskappen der Pole schmelzen in rasantem Tempo. Die Meere steigen und sind voller Plastik, voller chemischer und atomarer Abfälle. Wüstenregionen breiten sich aus.
Kinder sterben an Hunger und an AIDS. Tiere werden ausgerottet. ‚Lonesome George’, ein seltenes Exemplar einer Riesenschildkröte ist tot. Das rund 100 Jahre alte Tier war das letzte seiner Art.  Es kommen schlechte Zeiten für die deutschen Buchen, es wird zu warm bei uns, sagt das Potsdam Institut für Klimaforschung in seinem Portal PIK.  Dort kann man zum ersten Mal nachschauen, was der Klimawandel vor Ihrer eigenen Haustür verändern wird.

Haben wir die tragenden Wände des Hauses eingerissen?  Oder  haben wir sie nur beschädigt?


II.

Nun kommen Sie heute in einen Gottesdienst am Beginn des Sülz-Klettenberges Kirchentages und hören einen Psalm, den ein Mensch vor vielen Jahrhunderten gesungen hat, der uns zum Staunen bringt. Sie kennen ihn, den Psalm acht.

Ich lesen ihn heute in einer neuen Übersetzung, die ich aus 5 (Luther, Einheit, Jerusalem. BIGS, Buber) verschiedenen Übersetzungen zusammengesetzt und einen Vers selbst formuliert habe:

Du, unser Gott, (Buber sagt ‚Herr’ statt Gott)
wie wunderbar auf der Erde ist dein Name.
Dein Glanz über den Himmeln wird besungen 
(Jerusalem)

Aus dem Munde von Kindern und Säuglingen hast du eine Macht geschaffen gegen alle, die dich bedrängen, auf dass Feindschaft und Rache verstummen (BIGS)
(um deiner Bedränger willen, zu verabschieden Feind und Rachgierigen, Buber)
(um deiner Feinde willen, dass du vertilgest den Feind und den Rachgierigen, Luther)
Wenn ich die Himmel sehe, deiner Finger Werk,
den Mond und die Sterne, die du bereitet hast,

was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst
und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?
(Luther)

Ließest ihm ein Geringes nur mangeln,
göttlich zu sein,
kröntest ihn mit Ehre und Glanz,
hießest ihn walten der Werke deiner Hände.
Alles setztest du ihm zu Füßen
Schafe und Rinder allsamt
Und auch das Getier des Feldes,
den Vogel des Himmels
und die Fische des Meeres,
was die Pfade der Meere durchwandert.
(Buber)

Du wunderbarer Gott. Dein Name ist ICH BIN DA.
fürwahr DU BIST DA auf der ganzen Erde
(BWP)

Das staunt jemand. Und öffnet seine Seele dem Wunder des Universums. An jedem Teil der geschaffenen Welt ist Gottes Gegenwart, Gottes Schönheit, Gottes Glanz, zu erkennen.
Es ist nicht nur die Größe Gottes und die Kleinheit des Menschen. Es ist das Staunen über das Wesen Gottes.

Und die Frage Was ist der Mensch?

Der die Jahrtausende durchwanderte bis er den aufrechten Gang erlernt hatte,
der irgendwann einmal einen ersten Altar gebaut,
und ein erstes Gebet gesprochen hat,

der die wilden Tiere zähmte, (niederzwang)
und das Feld urbar machte;
und sich irgendwann dem Gott anvertraute, der von sich sagt: ICH BIN DA.
Das ist Gottes Name, sein Wesen, dem Mose am Dornbusch anvertraut:
DA ZU SEIN im Leben jedes Menschen und in der ganzen Schöpfung, verlässlich, solidarisch.

Gott verspricht: ‚Ich bin da, gerecht und barmherzig zu Euch.
Ich gewähre euch alles, was ihr zum Leben braucht.
Und auch ihr sollt in gerechten Beziehungen leben,  miteinander, mit den Tieren,
mit allem Geschaffenen. Dann seid ihr auf sicherem Boden.
Denn: „Auf dem Weg der Gerechtigkeit ist Leben.“ (Spr 12,28)

III.

In der Zeit, als Menschen den 8. Psalm sangen, waren in der Menschheitsgeschichte aus Hirten Bauern geworden, die Tiere zur Feldarbeit zähmten. Sie sprachen von Gott in der Sprache ihrer Lebenswelt. „Der Herr ist mein Hirte.“ Das alles sind bildliche Wendungen, Metaphern. Nur in Bildern ihrer Welt können Menschen ihre Erfahrungen und Einsichten über Gott auszudrücken. Niemand hat Gott je gesehen.

Es war eine patriarchalische Kultur. Das Männliche war der höchste Wert dieser Kultur. Jeder Gedanke über Gott formt sich an diesem höchsten Wert. Deshalb dachten die Menschen an Gott als ein männliches Wesen. Sie  redeten von Gott wie von einem mächtigen Herrscher. Sie dachten an Heerscharen, Befehlsgewalt und Gehorsam, an einen allmächtigen,  allgegenwärtigen, allwissenden Gott.  
Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name, so beginnt Luthers Übersetzung des 8. Psalms.

Die Rede von „Gott, der alles so herrlich regieret“ ist für viele Menschen eine der schönsten Lobpreisungen Gottes. Vielen Menschen des 20. Jahrhunderts ist sie aber nach den Erfahrungen des Holocaust/ der Schoah im Halse stecken geblieben.  Warum? Diesem Bild fehlt ganz und gar das Wissen um Gottes Leiden, Gottes Mitleid, Gottes Mitleidenschaft. Es liegt der Schatten darauf, wie viel Missbrauch und Unrecht dieses Herrscherbild Gottes ermöglicht hat auf Erden. Es fehlt ihm, was Jesus uns von Gott gezeigt hat, die ganz andere Art der Macht, die Macht der gewaltlosen Liebe. So viel von Gott.

Nun aber der Mensch. Die Menschen sind klein, aber, so sagt der 8. Psalm, doch fast göttlich. Sie verstehen sich als eine Art Statthalter Gottes: „Du hast ihn (den Menschen)  als Herrscher eingesetzt über das Werk deiner Hände, hast ihm alles zu Füße gelegt.“ (Einheitsübersetzung)

So begannen sie herzhaft zu herrschen, mit göttlichem Segen. Sie haben Herrschen als Beherrschen missverstanden, dem die Verantwortung abhanden kam. Sie haben die Tiere niedergezwungen zur Feldarbeit, aber sie schmiedeten auch Waffen, unterwarfen Völker. Sie beherrschten.

Die Menschen berufen sich noch immer auf das Herrschen, obwohl die ökologischen Nöte, die Ausrottung zahlloser Tierarten, das Auftauen der Permafrostböden und die Zerstörung lebenswichtiger ökologischer Räume immer größer wird. Das „Untertan-machen“, übersetzte Luther (Gen 1, 28),   das „dominium terrae“ nennt es Descartes. Und seither ist die Beherrschung der Erde immer weiter ausgedehnt worden und - sie wird immer brutaler und totaler: bei der Embryonenforschung, beim Klonen, bei der Genmanipulation.

Diese Art von Herrschaft aber hat die Ehrfurcht außer Kraft gesetzt. Es ist schwer, das uns so vertraute Bild von Gott, dem Herrscher und HERRN in Frage zu stellen. Es ist aber auch schwer, es einfach weiter zu gebrauchen. Wir müssen allen Ernstes darüber nachdenken, ob es seine ‚beherrschende’ Stellung behalten kann. Die Metaphorik des Herrschens hat zu viel Schaden angerichtet.

Menschen sollen nie mehr mit dem Namen Gottes ihre ehrfurchtlose Herrschaftsausübung rechtfertigen, auch nicht über die Schöpfung. Dieses Herrschaftsdenken hat das Lebenssystem der Erde an den Rand der Zerstörung gebracht. Wir können nicht mehr erklären, warum ein Gott, der so herrlich regiert, solche Zerstörung an der Schöpfung zulässt.  Das ist die am meisten gestellte Frage unter allen Gott- ZweiflerInnen. Zu Recht. Um unseres missionarischen Auftrags willen reinigen wir unsere Sprache. Wo ist die Ehrfurcht vor den Mit-Geschöpfen über all dem Beherrschen geblieben?

Ehrfurcht  ist in unserer Gegenwartskultur ein antiquiertes Wort. Das Staunen über die Schönheit und Kunstfertigkeit des Geschaffenen ist entweder zu manirierter Nostalgie geworden oder kulturell abgestiegen an die Ränder der Lebenswelt. Dieses Wissen: „Deus in minimis maximus.“ Im Kleinsten zeigt sich Gott am allermeisten/ allergrößten.

IV.

Das will uns der Psalm  acht wieder lehren: Ehrfurcht.  
Ein neuer Herzschlag der Ehrfurcht stellt sich ein, wenn wir  anfangen, darüber nachzudenken, dass Gott in allem Geschaffenen wohnt. Ein Funke Gottes ist in allem, was lebt - und heiligt es ! Wir können nicht mehr unschuldig und unbedacht die alten Bilder benutzen wie unsere Vorfahren angesichts der Erfahrungen in Geschichte und Gegenwart.

Es genügt nicht, ein paar grüne Gebete zu sprechen und die Ökologie zu unseren ethischen Vorräten hinzu zu addieren. Es geht um mehr. Es geht um die Mitte, um Gottes Anwesenheit in der Schöpfung und die Heiligkeit des von Gott geschaffenen Lebens.

Können wir heute nicht auch mit der Zustimmung von Naturwissenschaftlern sagen: Gott herrscht nicht über das Welten-Haus. Gott waltet in dem Werk seiner Hände. Ja, Gott wohnt mit uns in dem Welten Haus. Die Schöpfung ist Gottes Leib. „In Christus ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare.“ (Kol 1,16) Wir könnten neu über die Einwohnung Gottes und das Walten Gottes sprechen.


Die hebräischen Wörter haben weite Bedeutungsfelder und erlauben es, Gottes DA SEIN als ein Walten, und nicht als ein Herrschen zu verstehen.

Angesichts von so viel Zerstörung ist es Zeit,  als Christengemeinden den Mut zu haben, neue theologische Wege zu gehen. Im Welten-Haus gelten andere als hierarchische Gesetze. Das Konzept der Beherrschung zerstört das Weltenhaus. Leben vollzieht sich nur in dem fein gesponnenen Netz der Gegenseitigkeit, im Anerkennen von Abhängigkeit, im Miteinander. „Alles ist mit allem verflochten“ scheint eine triviale Wahrheit und doch ist sie der Schlüssel zur Zukunft.

Unsere Spiritualität verändert sich, wenn wir ernst nehmen, dass Gott selbst im Welten-Haus wohnt. Der Bauherr oder die Bauherrin lässt uns bei sich wohnen, wenn wir es in diesem, einander gerecht werdenden Geist zu bewohnen beginnen. Besonders mit den nichtmenschlichen Geschöpfen. Heute sind wir aufgerufen, die Periode der großen Zerstörung der Erde zu beenden und zu beginnen, im Einklang mit ihren Lebensprinzipien zu leben. Wir haben es neu zu erfinden, richtig Mensch zu sein.    



V.

Und schließlich die Frage:
Wie konnten wir den Psalm nur so missverstehen? Beherrschung und Unterwerfung der Mitwelt daraus ableiten und tun es noch?
Wir haben ihn falsch gelesen. Herrschsüchtig gelesen. Dabei irritiert der Psalm uns gleich zu Beginn mit einem Vers, mit dem sich die Ausleger schwer tun,  ein echter Widerhaken:

Aus dem Munde von Kindern und Säuglingen hast du eine Macht geschaffen gegen alle, die dich bedrängen, auf dass Feindschaft und Rache verstummen ( BIGS)

Dieser Satz ist der Schlüssel zum Verstehen des Ganzen. Es sagt etwas über das Wesen der Macht Gottes. Es ist die Macht, die im Kleinen, Schwachen, Kindlichen und in dem gewaltlosen Mann am Kreuz sichtbar ist und sich seither machtvoll unter den Menschen und in der Geschichte ausbreitet.

Gott schafft eine Macht aus dem Mund der Kinder und Säuglinge:
 
Wenn ich das lesen,
höre ich den Lebens-Schrei eines Neugeborenen,
sehe ich die entwaffnende Macht eines Kinderlachens,
die Arglosigkeit kindlichen Vertrauens,
die Ehrlichkeit der Tränen,
die schlaue Bereitschaft, den Schmerz zu vergessen
und sich an Tieren, Steinen und Pflanzen zu freuen
die Kunst auch, alles Aufgebaute umzuwerfen und noch einmal neu anzufangen.

Ich sehe aber auch die verhungernden Kinder im Sahel
und schuldlos HIV infizierten Kinder in Südafrika,
die herzzerreißend heimwehkranken Kinder in Moldawien,
deren ferne Mütter jahrelang illegal unsere Kranken und Alten pflegen.

Aus ihrem kindlichen Mund kommt der Schrei gegen das Unrecht,
der machtvoll in unser Gewissen dringt und uns zu gerechten Beziehungen ruft.

Gott schafft aus dem Munde der Kinder ein Bollwerk (heißt es wörtlich), eine Macht, die aller kalkulierenden Feindschaft und Rache den Boden entzieht,
die Macht des arglosen, unverzweckten, nach Gerechtigkeit rufenden Lebens.

Verstehen tun wir den Psalm am besten, wenn wir uns erinnern,
dass Gott selbst ein Kind geworden ist, im Stall von Bethelhem.

Diese Macht aus dem Munde der Kinder und Säuglinge ist es, die unsere Welt und uns selbst verändern kann. Sie ist ein Einspruch gegen die menschliche Beherrschungs- und Unterwerfungspraxis.

Am Beginn des 21. Jahrhunderts ruft uns der Psalm zu: Die Erde gehört Euch nicht. Sie ist die Wohnung Gottes. Sie ist Euch anvertraut. Der Bauherr oder ist es doch eine Bauherrin? will „Leben in seiner ganzen Fülle für alle Geschöpfe.“

Der Psalm endet nicht bei den Menschen, sondern bei Gott, mit Lob, Staunen und Danken dafür, dass Gottes ganz andere Macht, aber eben doch Macht, die Welt durchwaltet. Uns bleibt die Möglichkeit, endlich, endlich „gute HaushalterInnen der mancherlei Gnade Gottes“, zu werden, wie es im 1. Petrusbrief (1Pt4,10) heißt.

Wir haben ja, sagt der Psalm, fast göttliche Gene.
Göttlich sein aber heißt –barmherzig sein und gerecht.
Amen

(1)  www.baerbel-wartenberg-potter.de
(2)  TAZ 26.Juli 2012
(3)  TAZ 25.September 2012
(4)  Thomas Berry The Great Work, Our way into the future. New York 1999
(5)  Die Erklärung der Stuttgarter Erklärungsbibel lautet so: Bei V.3 ist wahrscheinlich an das Gotteslob aus Mernschenmund gedacht….: es schlägt die Feinde Gottes aus dem Feld.( Macht = Bollwerk) Fragen kann man, ob  die Kinder und Säuglinge wörtlich zu verstehen sind  oder als Bild für die Ohnmacht des Gottesvolkes, das sich durch seine eigene Kraft nicht retten kann..“ Stuttgart 1992, 672


Hinweise

Unter dem Stichwort Think Tank Theologische Zoologie trifft sich circa einmal im Monat eine Gruppe Studierender, Promovierender und Interessierter, um sich über aktuelle Forschungsthemen Ihrer eigenen Arbeit auszutauschen. Es werden jeweils ein bis zwei Forschungsprojekte aus dem Kontext der theologischen Zoologie vorgestellt und zur Diskussion gestellt. Ziel ist hierbei – neben einer wissenschaftlichen Vernetzung – eigene Fragestellungen in einer scientific community zu debattieren und Anregungen zur Weiterentwicklung des jeweiligen Konzeptes zu erhalten.
Es finden bereits regelmäßige Treffen statt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, die Gruppe zu bereichern. Das nächste Treffen findet am 10.12.2012, 10 Uhr statt. Bei Interesse nehmen Sie bitte mit Dr. Rainer Hagencord (info@theologische-zoologie.de) Kontakt auf.


Lesenswert

Eine allererste Arbeit, unter Betreuung von Prof. Dr. Schlatt und Dr. Hagencord liegt nun vor:
Annika Döring: Die Bedeutung der Tiere für die Bildung des Menschen zum Ebenbild Gottes. Eine Studie zur Pansophie des Johann Amos Comenius in Hinblick auf die Mitgeschöpfe und dessen Aktualität.
Der Theologe, Pädagoge und Philosoph Johann Amos Comenius gilt als einer der bekanntesten Didakten. Gleichwohl ist die von ihm betonte Bedeutung der Tiere für die Bildung des Menschen kaum erforscht. Dieser Spur geht Annika Döring in ihrer Arbeit nach und setzt diese in Bezug zum aktuellen Verhältnis zwischen Mensch und Tier.

Hier geht es zum Link der Arbeit als PDF auf der Homepage des ITZ:


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