FITZ




 
 

Liebe Freundinnen und Freunde des Institutes für Theologische Zoologie

Eine ereignisreiche Woche liegt hinter uns!
Mit der Wahl von Jorge Mario Bergoglio zum Papst Franziskus findet sich der Träger eines Namens voller Verheißung auf dem Stuhle Petri wieder. Die Namensgebung stimmt hoffnungsvoll, allen unseren Lesern ist Franz von Assisi in seiner Bedeutung als Patron der Umwelt und durch sein besonderes Verhältnis zu den Tieren bekannt. Für die Theologische Zoologie steht seine Perspektive der „Mitgeschöpflichkeit“ gewissermaßen Pate.

Und Papst Franziskus machte auch direkt bei seinem Einführungsgottesdienst am vergangenem Dienstag die Bedeutung der franziskanischen Spiritualität in den gegenwärtigen Herausforderungen von Kirche und Gesellschaft deutlich: Es sei die „Berufung zum Hüten“, welche alle menschlichen Dimensionen betreffe und darin bestehe, die gesamte Schöpfung, jedes Geschöpf Gottes, die Umwelt, die Schwächsten, die Kinder und die alten Menschen zu achten und sich liebend um sie zu kümmern. Alles sei im Grunde der Obhut des Menschen anvertraut, womit die Verantwortung aller als „Hüter der Gaben Gottes“ gefordert sei.

Das Institut für Theologische Zoologie weiß sich dieser „Berufung zum Hüten“ des Menschen verpflichtet und buchstabiert diese religiöse Haltung im Verhältnis zu der belebten Umwelt des Menschen aus.

In unserem heutigen Newsletter möchten wir Sie einstimmen auf die kommende Osterzeit. Dies wollen wir tun mit drei Buchempfehlungen, in welchen neben der franziskanischen Perspektive auch die Weisheiten der islamischen Traditionen im Blick auf unsere Mitgeschöpfe herausgearbeitet werden. Ein Impuls von Probst Dr. Jürgen Quante (Recklinghausen) sei Ihnen nachdrücklich ans Herz gelegt.

Wir hoffen, dass Sie mit uns in dieser Bandbreite an Impulsen hoffnungsvoll und mit geweitetem, achtsamen Blick auf das Fest der Auferstehung zugehen.


Korbinian Labusch


  Vgl.: Predigt von Papst Franziskus zur Einführungsmesse am 19.03. 2013 attualita.vatican.va/sala-stampa/bollettino/2013/03/19/news/30650.html ; Zugriff: 20.03.2013, 16.00 Uhr


Ostern 2013

Notker Balbulus, genannt der Stammler, schreibt im 9. Jahrhundert:

„Dem aus Grabesnacht
Auferstandnen Heiland huldigt die Natur;
Blum und Saatgefild
Sind erwacht zu neuem Leben;
Der Vögel Chor
Nach des Winters Rauhreif singt sein Jubellied.
Heller strahlen nun
Mond und Sterne, die des Heilands Tod verstört,
Und im frischen Grün
Preist die Erde den Erstandnen,
Die, als er starb,
Dumpf erbebend ihrem Einsturz nahe schien.“

Blumen und Saaten, der Chor der Vögel, Mond und Sonne, frisches Grün – kurz: die ganze Natur ist involviert, Ostern. Der Auferstandene mit all‘ seinen Konsequenzen ist nicht nur ein Ereignis in den österlichen Gottesdiensten und an den Schreibtischen der Theologen: „Die Erde preist den Erstandnen, die, als er starb, dumpf erbebend ihren Einsturz nahe schien.“
Die Erde
und ihre Geschöpfe
Mensch und Tier
und alles, was in dieser Welt eine Schöpfungsgeschichte hat: „Es war sehr gut“ (Gen 1,30).

Ich schreibe diese Gedanken am 20. März, Frühlingsanfang – bei Schneegestöber. Gestern, am 19. März ist der Papst in sein Amt eingeführt worden, der erste, der nach 800 Jahren sich traut, den Namen Franziskus anzunehmen; „Bewahrung der Schöpfung“ war schon ein Thema in seinen Ansprachen.


1000 Jahre nach Notker Balbulus schreibt J. W. Goethe in Faust, am Ende des Ostersparziergangs des gelehrten Herrn:

„Zufrieden jauchzet Groß und Klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein.“

Alle an der theologischen Zoologie Interessierten, alle, denen auch das Tierwohl ein auch theologisch begründetes Anliegen ist, hören wohl, dass „Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein“ nur in einer Schöpfung verantwortungsvoll gelebt werden kann, die als Gottes Schöpfung wertgeschätzt wird. Das Wunder der Auferstehung ist auch ein Schöpfungswunder.
Jesus Christus lebt; Gott lebt:
Also ist alles Leben doch auch Gottverbunden.

In diesem Sinne
Gott verbunden:

Gesegnete Ostern

Jürgen Quante



Buchbesprechung

(von Korbinian Labusch)

In unserer letzten Buchbesprechung (Erbacher, Jürgen (Hg): Benedikt XVI. Wir müssen anders leben! Damit die Schöpfung überleben kann.) verwiesen wir auf den Gesamthorizont, in dem sich die Theologische Zoologie kirchlich verortet. Als ein Bereich der Arbeit für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung stellt sie sich der Herausforderung einer theologischen Frage nach dem Tier und nach der Wechselbeziehung vom Menschen und seinen Mitgeschöpfen.

Impulse liefern hierzu nun zwei Bücher des Kapuziner-Paters Anton Rotzetter.
„Die Freigelassenen. Franz von Assisi und die Tiere“ erschien bereits im Jahre 2011 und markiert die Arbeit einer theologischen Betrachtung der Tiere am Beispiel der Texte des Heiligen Franz von Assisi.

Pater Rotzetter führt den Leser durch die Schriften des Heiligen Franz und macht sich mit ihm darin auf die Suche nach den Tieren und ihre Bedeutung. Fern von aller romantischen Betrachtung und Vereinnahmung geht es um die theologische und historische Deutung des Tierverhaltens in den biographischen Quellen, wobei P. Anton die verschiedenen Erzähltraditionen dem Leser anschaulich vor Augen führt.
Deutlich wird die gewandelte Sichtweise des Franz von Assisi, welcher die Tiere als selbstständige Subjekte wahrnimmt, die mit dem Menschen zusammen zum Lobpreise Gottes ins Dasein gerufen sind. Ein wahrer „Sprung“ in der Mentalitätsgeschichte der Christenheit.

Eine Einbettung in die theologischen Lehraussagen der Kirche gelingt Pater Rotzetter in seiner einleitenden konstruktiven Kritik.
Für den interessierten Leser finden sich im Anhang noch bemerkenswerte Erläuterungen zu päpstlichen Verbots-Schriften von Stierkämpfen, sowie eine detaillierte Übersicht zur Vogelpredigt von Franz von Assisi.


„Streicheln, mästen, töten. Warum wir mit Tieren anders umgehen müssen“, so lautet der Titel des im Frühjahr 2012 erschienenen Buches.
Hier legt Anton Rotzetter ein eindrückliches Zeugnis von christlich-motiviertem und appellierendem Tierschutz vor.
In vier Kapiteln, mit teils sehr bewegenden persönlichen Anekdoten durchsetzt, taucht P. Anton den Leser ein in seine Sichtweise auf das Mensch-Tierverhältnis, in welcher der franziskanische Blick auf die „Mitspieler“, die „Subjekte“, ja die „geschwisterlichen Gegenüber“ bestimmend ist. So lauten die Umschreibungen für die Tiere bereits in seinem Vorwort, in welchem er auch direkt klarstellt, dass in dieser Sichtweise das Tier selbst zum Ort wird, an dem sich die Geheimnisse Gottes zeigen.

Eindrücklich schildert Pater Rotzetter die faktische Verhaltensweise der westlich bestimmten, globalen menschlichen Gesellschaft gegenüber den Tieren. Dieser Blick muss traurig und nachdenklich stimmen. Doch bei einer bloßen Darstellung der Faktenlage (untermauert von aktuellen statistischen Untersuchungen) bleibt Rotzetter nicht stehen. Er lässt in den anschließenden Kapiteln Überlegungen zu ethischen Verhaltensweisen, gesellschaftspolitischen Implikationen und religiös motivierten Ansätzen einer praktischen Verhaltensänderung der belebten und beseelten Mitwelt gegenüber folgen.

Beide Bücher zusammen bilden ein beeindruckendes Zeugnis von gelebter franziskanischer Identität in Liebe und Verantwortung für die Welt. Der Mitbegründer des Institutes für Theologische Zoologie führt vor Augen, was konkret unter einem Perspektiv-Wechsel, ohne Reduzierung der Komplexität der gegenwärtigen Welt, in gelebter Christus-Nachfolge verstanden werden kann.


„Tiere des Himmels - Weisheitsgeschichten aus dem Orient“. Die umfassend ausgebildete Orient-Expertin Kathleen Göbel (Studium der Germanistik, Orientalistik, Turkologie, Kunstwissenschaft und Psychologie) legt mit diesem Buch eine umfassende Sammlung von Tiergeschichten aus dem orientalischen Sprach- und Kulturraum vor. Dem westlichen Leser erschließt sie diese geheimnisvolle Welt der Erzählungen, Gleichnisse und Geschichten in zehn Kapiteln. In ihnen wird das allgemeine Verhältnis des Menschen zum Tier erläutert, sowie in Einzelschritten Gattungen und Tiergruppen betrachtet. Ob es um die Reittiere, den Elefanten, Hund und Katze, das (Haus-)Vieh, die Wildtiere, Vögel und Fische, Spinnentiere oder Reptilien geht, - das gesamte Kaleidoskop der belebten Welt tut sich vor dem inneren Auge des Lesers/der Leserin auf und wird in seiner Bedeutung bei der Vermittlung von orientalischer Weisheit erläutert. Religions- und kulturwissenschaftlich Interessierte kommen voll auf ihre Kosten.
Das Vorwort von Dr. Rainer Hagencord hilft bei einer ersten Orientierung zur Annäherung an das Phänomen „Tiere und Religion“ und verweist auf den sehr ähnlichen Natur- und Kulturraum, in dem auch die biblischen Geschichten entstanden sind. Bei Hagencords Beleuchtung der Aussagen des Buches Ijob entsteht somit nicht nur eine zeitgemäße Erläuterung eines erwachsenen Glaubens und Stehens vor Gott in der biblischen Weisheitstradition, sondern auch ein wichtiger Beitrag zum Interreligiösen Dialog durch die gemeinsame Perspektive der Religionen auf das Tier.



Anton Rotzetter
Die Freigelassenen. Franz von Assisi und die Tiere.
Freiburg, Schweiz. 2011, Paulusverlag
197 Seiten
19,80 EUR


Anton Rotzetter
Streicheln, mästen, töten. Warum wir mit Tieren anders umgehen müssen.
Freiburg i. B. 2012, Herder
197 Seiten
14,99 EUR


Kathleen Göbel
Tiere des Himmels. Weisheitsgeschichten aus dem Orient.
(Mit einem Vorwort von Rainer Hagencord)
Kevelar. 2013, topos plus/Pustet
208 Seiten
12,90 EUR


Das Fest der Auferstehung

Die Festtage stehen vor der Tür, - wir möchten Sie besonders auf die Initiative „Münster isst Veggie“ hinweisen. Fehlen Ihnen noch Rezept-Ideen für fleischfreie Gerichte? Brauchen Sie noch Informationen, welche Gemüse- und Obstsorten sich zur Zeit für einen klimafreundlichen Verbrauch besonders gut eignen?

Besuchen Sie die Internetseite: Münster isst veggie!


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