Neuigkeiten

Freitag, 08.03.2019

Mensch und Tier im Team - Fortbildung

ab 08.03.19 // Fortbildung // Haus Mariengrund Münster und Raphaelshaus Dormagen

Dienstag, 11.12.2018

Austauschen & Vernetzen - für ein Miteinander von Mensch & Tier

Di 11.12.2018 und jeden weiteren 2. Dienstag im Monat // 19 Uhr // Stammtisch Theologische Zoologie // Restaurant Vaust // Berlin

Dienstag, 11.12.2018

Die Stellung der Tiere in den Weltreligionen: von der heiligen Kuh bis zum Schächten

11.12.2018 // 18 Uhr // Öffentliche Vorlesung // Freie Universität Bozen, Italien

Freitag, 30.11.2018

Tierpark, Teller, Gottesdienst. Räume der Mensch-Tier-Beziehung

30.11. - 01.12.2018 // Tagung // Evangelische Akademie Berlin

Freitag, 09.11.2018

Heilsame Berührung

Fr 09.11.2018 // oder // Sa 24.11.2018 // 15-18 Uhr // Meditative Körperarbeit mit Tier und Mensch // Haus Mariengrund Münster

Mittwoch, 31.10.2018

Der letzte Zweck der anderen Geschöpfe sind nicht wir - Vom Projekt einer Theologischen Zoologie.

Mi 31.10.2048 // 16:15 - 18:15 Uhr // Vortrag // Ruhr-Universität Bochum

Dienstag, 23.10.2018

Mit Lamas unterwegs

Di 23.10.2018 // 14 - 15:30 Uhr // Angebot für Schulklassen // Evangelisches Stadtjugendwerk Nürtingen // Reutlingen

Freitag, 19.10.2018

Mensch und Tier – Neues Verständnis - Anderer Umgang - Erkenntnisse und Konsequenzen aus der Forschung

Fr 19. bis So 21.10.2018 // Tagung // Ev. Akademie Villigst

Freitag, 28.09.2018

Tiere, Pflanzen und Menschen - Miteinander auf der einen Erde (2)

Fr 28.09.2018 - So 30.09.2018 // Wochenendseminar // Haus Mariengrund // Münster

Sonntag, 23.09.2018

60 Jahre Haus Mariengrund - Sommerfest

23.09.2018 // Gartenfest mit Aktionen und Angeboten // Haus Mariengrund Münster

Samstag, 22.09.2018

Impulse - Wahrnehmungen - Verköstigungen. Ein interreligiöses Projekt: Naturschutz als Band der Religionen

Sa 22.09.2018 // 16 – 19:30 Uhr // Workshop // Kapuziner Klostergarten Münster

Freitag, 21.09.2018

Mensch – Tier – Natur. Perspektiven einer neuen Verhältnisbestimmung

Fr 21.09.18 // 20 Uhr // Vortrag mit Diskussion // Nordhorn

Donnerstag, 13.09.2018

Spiritual Gardening für Kinder: Apfel-Dank im Klostergarten (2)

Do 13.9.18 // 16 - 19 Uhr // Kapuziner Klostergarten Münster

Montag, 10.09.2018

Spiritual Gardening für Kinder: Apfel-Dank im Klostergarten (1)

Mo 10.9.18 // 16 - 19 Uhr // Kapuziner Klostergarten Münster

Samstag, 01.09.2018

Spiritual Gardening - Die Natur in uns

Workshops für Jugendgruppen auf Anfrage // Kapuziner Klostergarten Münster

Viertes Glandorfer Gespräch

Leid, Übel und Krankheit - Gottgewollt?

Dr. Georgios Pandalis // Dr. Rainer Hagencord

Das vierte Glandorfer Gespräch zwischen Dr. Georgios Pandalis, Gründer der 'Urheimischen Medizin', Glandorf und Dr. Rainer Hagencord., Gründer des 'Institutes für Theologische Zoologie', Münster, fand am schwülen Vorabend des Jahrhundert-Unwetters im Münsterland am 28. Juli 2014 statt.

Nicht ahnend, dass heftige Gewitter mit Starkregen (über 200l/qm) das Leid noch am gleichen Abend  in viele Häuser bringen sollte, sprachen die Gesprächsteilnehmer darüber, wie man Leid annimmt, ohne daran zu verzweifeln. Die Natur als Kraftquelle wurde von beiden Seiten als heilsam erachtet. Diese Natur forderte wenige Stunden später in Form des Unwetters mindestens zwei Tote und eine Schwerverletzte. Sachschäden brachten manchen an die Grenzen seiner wirtschaftlichen Existenz.

Doch dieses Unwetter brachte auch die Menschen im Münsterland dichter zusammen. Nicht nur die über 1000 offiziellen Einsätze von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk linderten die Not.  Bei vielen Betroffenen rückten Nachbarn und Freunde an, um der Verwüstung Herr zu werden und insbesondere Trost zu Spenden.  Auch mehrere Tage nach dem Unwetter gibt es noch viel zu tun. In den sozialen Netzwerken wurden Portale eingerichtet, in denen man seine Hilfe, ob in Form von Arbeitskraft oder Sachspenden, anbieten kann. Sie sind stark frequentiert und zeigen die große Solidarität der Mitbürger.

Dr. Hagencord
Lässt sich Gottes Gerechtigkeit mit dem Leiden Unschuldiger vereinbaren?  Was ist mit dem Schöpfer allen Lebens, wenn Krankheit, Not und schließlich Tod eindringen in das selbstverständliche Gefüge des Lebens?

Auch heute quälen sich viele Kranke oder Schicksalsgeprüfte mit dieser Frage: Warum gerade ich, was habe ich falsch gemacht? Ist die Krankheit/ das Unglück gar eine Bestrafung.  Diese Frage führt jedoch im Leid nicht weiter.

In der Bibel setzt sich das Buch Hiob mit der Thematik auseinander. Das Hiob-Buch wirbt um eine Spiritualität, in der es neben Gott und den Menschen noch Raum für eine eigenständige Natur und ihre Repräsentanten, die Tiere geht. Fast modern anmutend, protestiert das Buch gegen einen zu engen, schematischen und insbesondere nur aus menschlichen Einsichten und Interessen erwachsenen Ordnungsbegriff, der dann theologisch gefüllt wird.

So entfaltet die erste der beiden Gottesreden (38,1-39,30), dass die Welt ein dynamischer Lebensorganismus ist und nicht eine statische und sterile Aneinanderreihung von Elementen – Requisiten, die nur dem Menschen zu dienen hätten.

Das Schöpfungskonzept dieser Schrift ist demnach dezidiert nicht anthropozentrisch. Hiob muss lernen, dass die Schöpfungsordnung nicht allein auf menschliche Bedürfnisse zugeschnitten ist.

Diese Antwort auf die Sinnfrage eines Leidgeprüften mag auf den ersten Blick zynisch oder brutal erscheinen, sie ist es jedoch auf den zweiten Blick nicht; denn Leid macht Angst und verengt den Blick. Aus dieser Enge möchte Gott herausführen. Er entlastet den Leidenden, weil er nicht Dreh- und Angelpunkt der ganzen Welt zu sein braucht.

Albert Schweitzer sagte dazu einmal:
„Ich bin Leben,
das leben will,
inmitten von Leben, das leben will.“

Dr. Pandalis
Wenn ich das einmal akzeptiert habe, verändert sich auch der Blick auf Krankheit. So sind auch Krankheitserreger Teil der Schöpfung. Ist unser Wohlbefinden als wertvoller einzuschätzen, als die Vermehrung des Erregers? Müsste Gott uns bevorzugen?

Geprägt durch eigene leidvolle Geschehnisse als junger Erwachsener, lernte ich schwierige Situationen auszuhalten.  Ärger und Enttäuschungen durchlebe ich ganz bewusst und ausgiebig. Ich genieße diese intensiven Erfahrung. Ich verdränge sie nicht durch Ablenkung.

Im langen Durchdenken - in Zwiesprache mit mir selbst, oder einem unterstützenden Menschen - spüre ich dabei, wie der Wille zum Kampf mich durchdringt.  Dazu gesellt sich in den Fällen der zermürbenden Auseinandersetzung mit Behörden und ignoranten Zeitgenossen nicht selten auch die blanke Wut.

In der Natur, im Erleben ein Teil des Großen und Ganzen zu sein, kann ich auftanken.  Die Natur ist Trost und Hoffnung. Genau deshalb macht mich unser Umgang mit Ihr sehr traurig. Die vielen Wunden, die wir ihr zufügen schmerzen mich. Wird sie sich überhaupt vollständig generieren können? Unsere Umwelt ist meistenteils zu einer künstlichen Natur verkommen. Die ursprüngliche, unberührte Natur, die Kraft spenden und gesund machen kann, gibt es gar nicht mehr. Mit jedem Stück Fleisch, das wir kaufen, machen wir die Natur weiter kaputt.

Dr. Hagencord
Im Gespräch mit Schwerkranken und ihren Angehörigen stelle ich der  Frage nach dem Warum eine neue entgegen: Wie kommt Gott im Leiden vor? Diese Frage öffnet den Blick; Das Göttliche kann auftauchen als: Trost, als Provokateur, als Rettung... Vielleicht gelingt es die Welt mit anderen Augen zu sehen. Menschen finden wieder zueinander. Die wirklich wichtigen Dinge des Lebens treten in den Vordergrund. Entlastend kann auch der Hinweis sein, sich nicht nur als Krank zu sehen:

Ich sage dem Menschen evtl. auch: Du bist nicht nur Deine Krankheit. Du bist auch Mutter, Tochter oder Freundin ...

Dr. Pandalis
„Gesundheit ist unser höchstes Gut“, ist das gesellschaftliche Credo. Die berühmte Definition der WHO: „Gesundheit kann definiert werden als der Zustand optimaler Leistungsfähigkeit eines Individuums für die wirksame Erfüllung der Rollen und Aufgaben, für die es sozialisiert worden ist.“, ist in dieser Hinsicht sehr problematisch. Kein Mensch kann diesen umfassenden Anspruch vollkommen erfüllen. Somit ist jeder irgendwie krank. Doch selbst die Beschäftigung mit diesem Anspruch führt nirgendwo hin. Sollen wir alle der optimalen Gesundheit hinterherlaufen? Das chronisch Kranke oder Behinderte trotzdem ein sinnvolles Leben führen können, wird überhaupt nicht beachtet. 

Das vom israelischen Soziologen Aaron Antonovsky erdachte Prinzip der Salutogenese zeigt worauf es wirklich ankommt: Der Mensch braucht ein Kohärenzgefühl, dass auf drei Säulen ruht. Er möchte erstens seine Welt und seine Probleme im großen Zusammenhang verstehen können. Er braucht zweitens die Zuversicht, Schwierigkeiten aus eigener Kraft und mit Hilfe seiner Familie und Freunde meistern zu können. Die dritte Säule, die Sinnhaftigkeit ist für mich die wichtigste. Mein Leben, meine Anstrengungen sollen eine sinnvolle und wunderbare Aufgabe sein, die anderen Menschen hilft. Die Freude am Helfen fällt auf mich zurück. 

Die Mutter, die ihr krankes Kind pflegt, ihm eine Suppe kocht, ihm etwas vorliest pflanzt dem Kind dieses Kohärenzgefühl ein. Gleichzeitig erlebt sie es auch für sich selbst. Nicht umsonst hält dieses gebraucht werden, dieses nützlich sein, die Mutter selbst gesund.

Dieses Kohärenzgefühl ist eine Grundstimmung oder Grundsicherheit, auf der die Gesundheit wurzelt. Mit dieser Basis lässt sich das Leben mit all seinen Schwierigkeiten meistern, ohne zu verzweifeln.

Wer den Blick für diese Zusammenhänge nicht besitzt, oder verloren hat, vergisst über die eigenen kleinen Probleme oft, wie schön es ist, zu leben. „Er ertrinkt“, wie die Griechen sagen, „in einem Löffelchen Wasser“.

Kleinere Probleme wachsen sich nicht zum Drama aus, wenn man stattdessen darüber nachdenkt, wie gut es einem eigentlich geht. Setzt man das eigene Schicksal in Relation zu den wirklichen Tragödien auf dieser Welt, wie die Ermordung von Zivilisten in Nahost oder der Ukraine, kommt man schnell zu dem Punkt, an dem man überlegt, welchen Beitrag, und sei er noch so klein, man für eine Verbesserung der Lebensbedingungen anderer Menschen leisten kann.

Gleichgültigkeit und Orientierungslosigkeit, wie sie sehr viele Menschen empfinden führen auf einen anderen Weg. Statt nach einem sinnvollen Leben  zu streben, rennen diese Menschen tagtäglich der Erfüllung ihrer persönlichen Wünsche hinterher. Sie verstehen das Leben als Aneinanderreihung von flüchtigen Vergnügungen. Sie feiern ausufernde Feste,  vertreiben sich mit  sinnfreien Lustbarkeiten den Tag, oder schlagen die Zeit gar mit Fernsehen, Computerspielen und belanglosen Chat-Nachrichten tot. Das hat die Zeit, die uns gegeben ist nicht verdient. Das ist nicht das, was ich unter wertvollem Leben verstehe.

Dr. Hagencord
Das führt mich zu einem sehr passenden Schlusswort, das einem Gedicht von Rainer Maria Rilke entlehnt ist:

„Wunderliches Wort: die Zeit vertreiben!
Sie zu halten, wäre das Problem.“

Fazit
Im Leiden macht es keinen Sinn, nach dem Warum zu fragen. Sie führt ins Selbstmitleid, ohne Hilfe zu bieten.

Die Schöpfung ist nicht anthropozentriert. Wenn wir diese Einsicht haben, können wir Leiden eher annehmen.

Für die Gesundheit braucht es eine positive Grundsicherheit, die Kohärenz. Sie hilft uns auch körperliches oder seelisches Leid zu durchstehen.

 

Literatur
Eckhard Schiffer: Wie Gesundheit entsteht. Salutogenese – Schatzsuche statt Fehlerfahndung. Beltz Verlag , Weinheim und Basel 2013

Rainer Hagencord, Anton Rotzetter: Jahrbuch Theologische Zoologie Band 1/2014. Neue Wahrnehmung des Tieres in Theologie und Spiritualität.

Diskussionsteilnehmer:
Dr. Rainer Hagencord (Leiter des Institutes für Theologische Zoologie, Münster)