Erinnerungen, Naturklänge und Nachfalterleuchten - Abschlussfest(e) des Projektes „Der Friedhof lebt – Interreligiöse Archegärten in Deutschland“

Am Nachmittag des 24. Juni 2026 – mitten in einer Hitzewelle – kamen Akteur:innen des Friedhofsprojekts auf dem Zentralfriedhof in Münster zusammen, um den Abschluss des vom Bundesumweltministerium und der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW geförderten sowie vom Institut für Theologische Zoologie getragenen Projekts zu feiern.

Drei Jahre voller Engagement, Herausforderungen und kleiner wie großer ökologischer, kultureller und pädagogischer Erfolge zusammen mit acht Pilotstandorten in fünf Bundesländern fanden damit ihren krönenden Abschluss.
Gefeiert wurde unter anderem mit einer Musikinstallation des Künstlers Gerhard Kern am Grab des Professors Landois – dem der Verstorbene posthum „beiwohnte“ (wir danken Herrn Jörg Adler für seine berührende Performance) sowie mit intuitivem Tanz von Dr. Tatjana Schnütgen.
Auf dem Zentralfriedhof wurden in den letzten drei Jahren vielfältige ökologische Maßnahmen umgesetzt: Blüh- und Wildwiesen, Mustergräber, Beobachtungssitze, eine Streuobstwiese sowie Vogel- und Insektentränken. Zudem entstanden Bildungsangebote, die ab August online verfügbar sind und auf jedem Friedhof Anwendung finden können.
Zwei Tage später (26.06.2026) lud das Projektteam zu einem sommerlichen Nachtfalterleuchten auf dem zweiten münsteraner Pilotstandort, dem Waldfriedhof Lauheide, ein. Rund 30 interessierte Gäste folgten der Einladung, um die faszinierende – oft überraschend bunte – Welt der heimischen Nachtschmetterlinge kennenzulernen oder zu vertiefen.
Mit professionellem entomologischem Leuchtgerät wurde die farbenprächtige Vielfalt der Nachtfalter für kurze, aber unvergessliche Momente sichtbar und erlebbar. Neben Glühwürmchen und Nashornkäfern konnten ganze Artkomplexe an Nachtfaltern in relativ hoher Individuenzahl beobachtet werden – eine Seltenheit in Zeiten des rasanten Insektensterbens!
Zu den gesichteten Arten zählten unter anderem: Ahorn-Zahnspinner, Kleiner Weinschwärmer, Weißes L, Vauzeichen-Eckflügelspanner, Heller Schmuckspanner, Weidenbohrer, Dunkler Graszünsler, Weidenbusch-Blatteule, Gelblinien-Spannereule, Hochstaudenflur-Blütenspanner, Schwarzeck-Zahnspinner, Eschen-Zackenrandspanner, Distel-Wickler, Waldziest-Zünsler, Waldstauden-Blättereule, Grünes Blatt, Pudel-Eule, Mondfleck, Nacht-Schwalbenschwanz, Großer Kahnspinner, Ampfer-Spanner, Rundflügel-Flechtenbärchen, Licht-Marienkäfer, Kiefern-Spinner und viele weitere.


Die Veranstaltungen zeigten einmal mehr: Friedhöfe sind wichtige Oasen der Stadtnatur und der biologischen Vielfalt. Die erhobenen Artenzahlen unterstreichen jedoch die alarmierende Realität: Durch Lebensraumverlust, intensive Landwirtschaft, Überweidung und die Zerschneidung von Habitaten sind über 28 % (125 Arten) der europäischen Schmetterlingsarten auf der Roten Liste der IUCN als (nahezu) gefährdet eingestuft – viele sogar vom Aussterben bedroht. Innerhalb von nur 14 Jahren (2010–2024) stieg die Zahl gefährdeter Arten um über 70 % an. Ökologische Maßnahmen auf Friedhöfen können hier gegensteuern und die biologische
Vielfalt nachhaltig fördern.


„Heute gilt es, alle Kräfte für den Erhalt der biologischen und kulturellen Vielfalt zu einen.“, so Dr. Deborah Williger, Projektleiterin.


Es ist notwendig, dass Menschen sich für den Natur- und Artenschutz einsetzen, Natur nicht lediglich als Ressource zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse betrachten. Auf Friedhöfen begegnen Menschen ihrer eigenen Endlichkeit. Die Mitweltbildungsmodule leiten dazu an, sich selbst als Teil natürlicher Kreisläufe aus Werden und Vergehen zu begreifen. Vor diesem Hintergrund schwinden auch gesellschaftliche Unterschiede. Mit dem Projekt „Der Friedhof lebt“ will das ITZ durch interreligiöse Bildung und durch gemeinsamen Einsatz für den Artenschutz den innergesellschaftlichen Frieden stärken und einen Beitrag zum Erhalt der Schöpfungsvielfalt leisten.


Weitere Informationen erhalten Sie über den Link:
www.der-friedhof-lebt.de oder www.theologische-zoologie.de


Das ITZ-Projekt „Der Friedhof lebt – Interreligiöse Archegärten in Deutschland“ wird gefördert im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums sowie durch die Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen.


Unterstützung erfährt das Projekt u.a. durch die Universität Münster (Institut für Landschaftsökologie, Wissens- und Technologietransfer, Zentrum für Islamische Theologie) sowie durch die Universität Potsdam (School of Jewish Theology), dem Bistum Münster und dem Erzbistum Köln.

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