
Das interdisziplinäre Seminar „Zu den Gärten der Nachhaltigkeit“ nimmt die Mensch-Tier-Natur-Beziehung in den Blick und verbindet theologische, philosophische und ökologische Perspektiven auf die drängenden Fragen der Gegenwart. Ausgehend von kultur- und religionskritischen Ansätzen (u. a. Adorno, Horkheimer, Buber, Canetti) und biblischen sowie indigenen Zugängen zur Natur, eröffnet das Seminar einen erfahrungsbasierten Zugang zur Nachhaltigkeit. Es geht um die Wiederentdeckung des Menschen als Teil einer bedrohten Mitwelt und um die Ausbildung einer ethischen Haltung, die auf Beziehung, Respekt und Mitgeschöpflichkeit gründet.
Methodisch ist das Seminar phänomenologisch ausgerichtet: Durch Exkursionen, Tierbegegnungen, stille Beobachtungen in Naturräumen sowie durch theologische und literarische Impulse entsteht ein Raum, in dem Nachhaltigkeit als leibliche, emotionale und geistige Erfahrung reflektiert und erprobt wird. Die Teilnehmenden begegnen Natur nicht als Objekt, sondern als Gegenüber. In diesem Kontext werden Fragen nach Schöpfungsverantwortung, Biodiversität, Tierethik, Spiritualität und postkolonialem Lernen miteinander verbunden.
1. Haus Mariengrund (ITZ): Einführung in zentrale Theorien (z. B. Benjamin, Adorno), Originalerfahrungen mit Eseln und Bienen zur Überwindung der Naturentfremdung.
2. Zoo-Exkursion: Begegnung mit bedrohten Tierarten, Reflexion über Arche-Motive und Tierethik.
3. Selbsterfahrung Rieselfelder: Naturgang nach dem Vorbild Thoreaus „Walden“, stille Selbst- und Naturwahrnehmung.
4. Kapuzinerkloster-Garten: Auseinandersetzung mit Genesis, Salgados Bildband, Pflanzenwissen und spirituelle Naturorte.
Ziel ist, dass die Studierenden sich selbst als Geschöpfe unter Geschöpfen erleben – in einer „archischen“ Beziehung auf Augenhöhe, nicht hierarchisch.


Das Seminar „Zu den Gärten der Nachhaltigkeit“ versteht sich als interdisziplinärer Lernraum, in dem Theologie, Anthropologie, ökologische Ethik und kulturkritische Philosophie miteinander in Dialog treten. Ausgehend von Elias Canettis Diktum, dass die zunehmende Erkenntnis der Tiere den Menschen ihnen näherbringen werde – möglicherweise zu spät –, verfolgt das Seminar das Ziel, die Beziehung zwischen Mensch, Tier und Natur neu zu denken. Nachhaltigkeit wird hier nicht funktional oder technokratisch gefasst, sondern in einem existenziellen, relationalen Sinne verstanden: als Haltung der Verbundenheit mit allem Lebendigen.
Die methodische Grundlage des Seminars ist phänomenologisch geprägt, in Anlehnung an Edmund Husserl, Martin Buber, Theodor W. Adorno und Max Horkheimer. Es geht nicht um abstraktes Wissen über Natur, sondern um leibliche und dialogische Erfahrung in der Natur – mit dem Ziel, den Verlust an Unmittelbarkeit und Beziehung zu lebendiger Wirklichkeit zu heilen. Die Exkursionen, Gespräche und Reflexionen des Seminars schaffen Erfahrungsräume, in denen ein achtsames, nicht-hierarchisches Miteinander mit Tieren und Pflanzen eingeübt wird.
Zentrale Themen sind die Dialektik der Aufklärung, die Entfremdung des Menschen von der Natur, sowie die Rolle indigener und biblischer Weisheiten in einer ökologisch sensiblen Theologie. Die vier Seminartage führen die Studierenden u. a. in das Institut für Theologische Zoologie, in den Zoo als kritisch reflektierten Ort moderner „Arche“-Praktiken, in die Rieselfelder als Raum der Selbstwahrnehmung unter natürlichen Bedingungen, sowie in den Garten eines Klosters als Erfahrungsort von Pflanzenwelt und symbolischer Naturbegegnung. Dabei wird Nachhaltigkeit als gelebte Schöpfungsverantwortung erfahrbar, die den Menschen nicht als Herrscher über, sondern als Mitgeschöpf inmitteneiner bedrohten Mitwelt begreift.
Die Studierenden lernen nicht nur über Nachhaltigkeit, sondern entwickeln eine existenzielle Beziehung dazu. In Zeiten des Artensterbens, des ökologischen Kollapses und einer globalen Sinnkrise stellt dieses Seminar eine ethisch und bildungstheoretisch fundierte Antwort dar, die wissenschaftlich reflexiv, spirituell offen und ökologisch engagiert ist.
Das Seminar „Zu den Gärten der Nachhaltigkeit“ steht in enger Verbindung zu mehreren der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) der Vereinten Nationen. Besonders deutlich wird die Verbindung in folgenden Punkten:
1. SDG 4 – Hochwertige Bildung
Das Seminar verfolgt einen bildungstheoretischen Ansatz, der über reines Faktenwissen hinausgeht: Es zielt auf Bewusstseinsbildung, ethische Reflexion und existenzielle Auseinandersetzung mit Natur, Tier und Mensch. Es fördert ganzheitliches Lernen durch Exkursionen, Naturerfahrung und interdisziplinäre Reflexion.
2. SDG 13 – Maßnahmen zum Klimaschutz
Indem das Seminar den Klimawandel und das Artensterben thematisiert und nachhaltige Lebenshaltungen einübt, trägt es zur Sensibilisierung und Aktivierung für klimabezogene Herausforderungen bei.
3. SDG 15 – Leben an Land
Der Fokus auf Biodiversität, bedrohte Tierarten und respektvolle Tier-Mensch-Beziehungen greift direkt in das Ziel 15 ein, das sich mit dem Schutz von Ökosystemen, Wäldern, Tieren und Pflanzen beschäftigt.
4. SDG 12 – Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster
Auch wenn es nicht explizit um Konsum geht, fördert das Seminar eine Haltung der Achtsamkeit, des Maßhaltens und der Verantwortung – zentrale Voraussetzungen für nachhaltigen Konsum und Lebensstil.
5. SDG 10 – Weniger Ungleichheiten & SDG 16 – Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen
Durch postkoloniale Perspektiven, indigene Wissenszugänge und den Abbau anthropozentrischer (menschzentrierter) Sichtweisen thematisiert das Seminar Gerechtigkeitsfragen zwischen Kulturen, Generationen und Spezies.
6. SDG 17 – Partnerschaften zur Erreichung der Ziele
Die interdisziplinäre Zusammenarbeit (Theologie, Ökologie, Philosophie, Anthropologie) entspricht dem Geist dieses Zieles: nachhaltige Entwicklung braucht sektorübergreifende Kooperation.
Das Seminar ermöglicht einen erfahrungsbasierten, ethisch und spirituell fundierten Zugang, der zentrale Aspekte der SDGs – insbesondere Bildung, Umwelt, Gerechtigkeit und Bewusstseinswandel – fördert. Es ist damit ein innovativer Beitrag zur Umsetzung der globalen Nachhaltigkeitsziele im Bildungsbereich der Hochschule.