Mitgründer

Dr. Anton Rotzetter

Anton Rotzetter war ein unermüdlicher und immer hoffnungsvoller Mitstreiter für eine Geschwisterlichkeit allen Lebendigen. Im April 2009 gründete er mit Dr. Rainer Hagencord als GbR das Institut für Theologische Zoologie mit Sitz in Münster und begleitete dieses bis zu seinem Tod im März 2016. Seine liebevollen Ermutigungen das ITZ weiterzuführen - allen Angriffen und Widerständen in den Anfangsjahren zum Trotz -  waren eine entscheidende Säule. Seine Liebe zur Schöpfung, sein Mut zur Gründung des ITZ und sein wunderbarer Humor bleiben uns unvergessen.

Das ewige Leben wird ein miteinander erlebtes Staunen sein, wo jedes Geschöpf in leuchtender Verklärung seinen Platz einnehmen und etwas haben wird, um es den endgültig befreiten Armen zu bringen.

Laudato Si 343

Ein Nachruf in Liebe und Erinnerung

Geboren als Anton Rotzetter am 3. Januar 1939, hat er sein Leben lang nach dem Geist des heiligen Franziskus gelebt. Er war unermüdlich, bis zum letzten Tag. Immer auf der Suche nach dem, was die Welt im Innersten zusammenhält – die Spur Gottes in der Natur, die Stimme der Tiere. Er hat gelebt, was er predigte: ein Leben in Achtsamkeit und in tiefer Spiritualität.

In seinem Testament schrieb er:
„Seit Jahrzehnten ist mir das Leiden der Tiere wichtig geworden. Mit Albert Schweitzer will ich sagen: Ich bin Leben, das Leben will, inmitten von Leben, das Leben will.“
Und weiter:
„Mit Jean Bastaire beklage ich die Gleichgültigkeit – gerade auch in der Kirche – gegenüber dem Martyrium der Schöpfung.“

Das war seine Mission. Nicht mit lauter Stimme, sondern mit stillem, beharrlichem Wirken. Er wollte, dass wir prophetisch leben – nicht aus Angst, sondern aus Liebe. Liebe zu Gott, zur Schöpfung, zu jedem Geschöpf, das atmet.

Und dann war da noch sein Glaube. Nicht als leere Rituale, sondern als lebendige Begegnung mit dem Geheimnis Gottes. Die Eucharistie, das Gebet, die Bibel – für ihn waren sie kein Pflichtprogramm, sondern Quellen der Inspiration, die ihn jeden Tag neu nährten.

Du fehlst mir sehr. Deine Worte, dein Humor, deine unerschütterliche Hoffnung, dass die Welt sich ändern kann. Du hast mir gezeigt, dass Glaube nicht fromme Worte braucht, sondern ein Herz, das schlägt – für die Armen, für die Tiere, für die Erde.

Durch seinen plötzlichen Tod hat er das Werden und Wachsen des ITZ nicht mehr erlebt.

Sr. Margret Rademacher, Vorsehungsschwester

Gott, ich will eine Welt
in der die Vögel singen
eine Stadt – die allen Heimat ist
ich will eine Welt
in der die Lerchen steigen
eine Stadt – die Arme in die Arme nimmt
ich will ein Land
in dem die Steine singen
eine Erde – die allen Mutter ist
ich will ein Land
in dem die Tauben steigen
eine Erde – die friedlich mit dem Frieden lebt

Anton Rotzetter


Auf der Suche nach einer allgemeinen und modernen christlichen Spiritualität

Geboren in Basel am 03.01.1939, gestorben am 01.03.2016 war Anton Rotzetter ein Bürger von Freiburg in der Schweiz, Sohn eines Grenzwächters und darum von Anfang an "Pilger". Anton Rotzetter war ein Wanderer von Ort zu Ort, mit einer Versuchung Grenzen zu überschreiten. Er besuchte das Gymnasium in Freiburg/Schweiz und Appenzell. 1959 trat er in den Kapuzinerorden ein und absolvierte das Hochschulstudium in Freiburg  mit seiner Promotion in Bonn und Tübingen. 1972 hatte er einen mehrwöchigen Aufenthalt in Rio de Janeiro und 1974 einen mehrmonatigen in Tanzania (Elendsquartiere und Armut: Befreiung aus einem bürgerlich gedeuteten Evangelium zum Evangelium der Armen).
Von 1967-1974 setzte sich Dr. Anton Rotzetter wissenschaftlich mit Franz von Assisi auseinander (Konvergenz von Geschichte und Gegenwart, von Theorie und Praxis, von Mystik und Politik). Von 1978 - 1988 leitete er das von ihm konzipierte Institut für Spiritualität in Münster Nordrhein-Westfalen: Auf der Suche nach einer allgemeinen und modernen christlichen Spiritualität (Entdeckung der Sprachfähigkeit). Er erhielt Lehraufträge von der PTH Münster und in Freiburg/Schweiz und war seit 1988 wohnhaft in Altdorf Uri.
Anton Rotzetter ist Verfasser von ca. 70 Büchern, die teilweise in mehrere Sprachen übersetzt wurden.

Veröffentlichungen

  • Von Demut, Frieden und anderen Torheiten: Franziskanische Texte gedeutet für die Menschen unserer Zeit. Freiburg/Schw. 1990
  • Beseeltes Leben. Briefe zur Spiritualität, Freiburg 1986, Neuauflage 2002
  • Franz von Assisi. Erinnerung und Leidenschaft, Freiburg 1989
  • Ich rufe Sonne und Mond: Der Sonnengesang des Franz von Assisi. Annäherung und Einführung. Eschbach 1998
  • Latium, Umbrien, Toskana: Wanderungen auf den Spuren des Franz von Assisi. Frankfurt a.M.1998
  • Die Welt erglänzt in Gottes Farben. Visionen von der Ganzheit der Schöpfung, Freiburg/Schw. 2000
  • Mit Gott im Heute. Grundkurs franziskanischen Lebens, Freiburg 2000
  • Aus Liebe zum Leben: Die Evangelischen Räte neu entdecken. Freiburg i.Br.1996 und 1997
  • Am Morgen einer neuen Zeit. Spirituelle Lesung des Markusevangeliums, Freiburg 2002
  • Der Stern des Messais. Psalmbetrachtungen zu Advent und Weihnachten, Freiburg 2004
  • Vegetarische Ernährung - warum? In: Anima. Zeitschrift für Tierrechte 22 (2006/07) Heft 4, 3 - 5; Graz; DVR 0955906
  • Lexikon christlicher Spiritualität, Darmstadt 2008, ISBN 978-3-534-16689-3
  • Sieben Jahre WortzumSonntagSprecher beim Fernsehen DRS - Bis Ende 2000 Regelmäßiger Sprecher in "Erfüllte Zeit" bei ORF 1
  • Vierteilige Sendung Radio Vatikan über Franz von Assisi (Mai 1992)
  • Reiche redaktionelle und schriftstellerische Tätigkeit in verschiedenen Zeitschriften
  • Mitautorschaft des "Franziskanischen Fernkurses" (INFAG) und verantwortlicher Herausgeber des "Grundkurses für das franziskanische Missionscharisma" (MIZE)

ökologische und tierethische Fragestellungen von Franz von Assisi

Als Forscher der franziskanischen Spiritualität wurde Anton Rotzetter deutlich, dass ökologische und tierethische Fragestellungen bei Franz von Assisi zum unveräußerlichen Bestand gehören. Diese Einsicht verband sich mit Anton Rotzetters "angeborenem freundlichem Verhältnis" zu Tieren, stammte er doch aus einer naturverbundenen Bergfamilie. Immer mehr beschäftigte er sich mit tierbezogenen Ergebnissen der Biologie, der Philosophie, der Verhaltensforschung, aber auch der Bibelwissenschaft. Schließlich ließ er sich zuerst in Deutschland in den Theologischen Beirat von AKUT (Aktion Kirche und Tier) und dann zum Präsidenten von AKUT/Schweiz wählen.

"Im Institut für Theologische Zoologie möchte ich zwei Dinge vertreten: Ich möchte den Tierschutz aus der Ecke herausholen, in die sich Tierschützer oft selber manövrieren. Es geht nicht um Vermenschlichung des Tieres, auch nicht darum, dass das Tier Ersatz für menschliche Beziehungen ist. Ich bin vielmehr überzeugt, dass Tier und Mensch einen großen Teil an gemeinsamer Lebendigkeit haben und dass dem Tier deswegen besondere Ehrfurcht gebührt. Doch auch jeder Stein, jede Pflanze - alles was ist - offenbart uns ein Geheimnis, das sich letztlich jeder Manipulation entzieht."

"Entscheidend ist der große Zusammenhang, den Gott in seine Schöpfung eingestiftet hat. Von Franziskus weiß ich, dass alles, was ist, geschwisterlich miteinander verbunden ist, und dass alles Leben ein Geheimnis ist, dem wir mit Ehrfurcht zu begegnen haben. In den letzten Jahrzehnten ist die Schöpfung immer mehr dem Absolutheitsanspruch der Ökonomie anheim gefallen. Alles wird zur Sache, die man beliebig gebraucht, zum Objekt, das man ausbeutet. Zwar gibt es heute wohl niemand mehr, der nicht von Bewahrung der Schöpfung spricht. Sobald es aber konkret wird, scheut man die Konsequenzen. Ich bin der Überzeugung, dass neben der Vergötterung der Mobilität die Ehrfurchtslosigkeit eine besondere Rolle spielt. Die Einstellung zum Auto und zum Tier ist eine Art Schnittstelle, an der der heutige Lebensstil, der weitgehend auf dem Prinzip der Ausbeutung und der Rücksichtslosigkeit aufbaut, eine revolutionäre Wende erfahren könnte - zu Gunsten von Lebensqualität, weltweiter Gerechtigkeit und umfassender Solidarität."

Impressionen

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